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Gewalt gegen Frauen: Hilfsangebote sollen besser vernetzt werden

Soziales : Hilfe für Frauen besser vernetzen

Schutz von Gewaltopfern: Trier regt Gründung eines regionalen Zweckverbands an.

Bei den Hilfsangeboten für Frauen, die Opfer von Gewalt wurden oder davon bedroht sind, gibt es in der Region noch einige Lücken. Das stellten Expertinnen in einer Anhörung auf Einladung des Sozial- und des Steuerungs­ausschusses der Stadt Trier fest.

Jugendamtsleiter Carsten Lang kündigte an, dass der vom Stadtrat geforderte Aktionsplan zur Umsetzung der Istanbul-Konvention gegen Gewalt an Frauen und in engen sozialen Beziehungen konkretisiert wird. Wenn Trier eine feste Struktur schafft, bringt das aber einen grundlegenden Konflikt mit sich: Auf der einen Seite gehört Gewaltschutz zu den freiwilligen Aufgaben der Stadt, die die Kommunalaufsicht bei einem hohen Haushaltsdefizit streichen kann. Dieses Problem hat sich verschärft durch die hohen Ausgaben und Steuerausfälle als Folge der Corona-Krise. Auf der anderen Seite ist die Istanbul-Konvention seit 2018 in Deutschland bindend, auch in den Kommunen.

Der erste Teil der Anhörung bestand aus einem Beitrag des Landes, den Carsten Lang vorstellte, sowie Statements der Expertinnen Prof. Sabine Bollig (Universität Trier), Kornelia Schönberg (Städtetag Rheinland-Pfalz), Claudia Heltmes (Pro Familia) und Bürgermeisterin Elvira Garbes. Weitgehend einig waren sie in der Einschätzung, dass es in Rheinland-Pfalz und in Trier ein gewachsenes Hilfsangebot gibt, das noch besser vernetzt werden muss und einige Lücken hat. Hinzu komme eine chronische Unterfinanzierung der freien Träger. Sie führe dazu, dass die Mitarbeiterinnen sich um Sponsoren und Zuschüsse bemühen müssten und daher immer wieder zu wenig Zeit für ihre eigentliche Arbeit hätten. Zudem gibt es zu wenige Plätze im Trierer Frauenhaus, das renoviert und ausgebaut werden muss.

Das Frauenhaus und weitere Hilfsangebote im Oberzentrum Trier nutzen auch viele Frauen und Mädchen aus dem Umland. Daher kam diese Idee ins Spiel: Die neue Einrichtung, die die Konvention umsetzt, soll als regionaler Zweckverband gegründet werden. Bisher finanziert die Stadt nach einer Aufstellung von 2018 die Angebote zur Beratung und Unterstützung von Gewaltopfern sowie der Prävention zu 41 Prozent. Es folgen das Land (34 Prozent), die Träger (13), weitere Partner (sieben) sowie der Kreis Trier-Saarburg (fünf).

Die häusliche Gewalt hat sich durch Isolation im Corona-Lockdown in manchen Familien noch verschärft. Die Interventionsstelle stellt seit dem Frühjahr einen deutlich erhöhten Beratungsbedarf fest. Diese Entwicklung hat auch die Trierer Frauenbeauftragte Angelika Winter verstärkt in den Fokus gerückt. Sie sprach sich in der Debatte ebenfalls für eine feste, verbindliche Struktur aus.

In der Anhörung wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass es nicht nur um körperliche Gewalt geht, sondern auch um sexuelle Nötigung sowie Formen psychischer Gewalt – zum Beispiel Stalking oder bei Sorge­rechts­streitig­keiten – sowie ökonomische und digitale Gewalt, vor allem in den sozialen Medien. Dieses Problem ist nach Einschätzung mehrerer Experten noch zu wenig im öffentlichen Bewusstsein. Garbes machte mit einer Zahl deutlich, dass sich eine feste Einrichtung zur Umsetzung der Konvention rechnen könnte: Rein statistisch gesehen kosteten die Folgen der Gewalt gegen Frauen und Mädchen pro Person 450 Euro. Angebote aus dem Aktionsplan, die langfristige Folgekosten senken könnten, seien auf Dauer deutlich günstiger.