"Gewalt geht nicht"

TRIER. Aufrütteln soll sie. Sensibilisieren. Und die Frage stellen: "Wie verhalte ich mich, wenn ich Zeuge rechter Gewalt werde?" Die Trierer Hochschulgemeinden zeigen in der Dom-Information eine bewegende Ausstellung über Menschen, die Opfer rechter Gewalt geworden sind – im modernen Deutschland. Sie ist Kernstück einer Veranstaltungsreihe zum 27. Januar.

"Saime Genc, 4, Jahre. Sie starb am 29. Mai 1993 bei einem Brandanschlag in Solingen." "Karl-Hans Rohn, 53 Jahre, Metzger. Am 13. November 1992 wurde er in Wuppertal von zwei Rechtsextremen geschlagen, angezündet und erstickt, nachdem er sich als Jude ausgegeben hatte." Zwei von 131 Menschen, die seit 1990 in Deutschland rechter Gewalt zum Opfer gefallen sind. Auf ihre Schicksale macht eine Ausstellung in der Trierer Dom-Information aufmerksam, die Kernstück einer Veranstaltungsreihe der Hochschulgemeinden und der Stadt zum Nationalen Gedenktag an die Opfer des Holocaust am 27. Januar ist. Eine schlichte, in Blau und Weiß gehaltene Tafel dokumentiert die Biografie jedes Toten. Darüber ist ein Foto des Opfers zu sehen - falls es eins gibt. Die meisten Tafeln sind an dieser Stelle leer. "Auch eine Aussage", wie die Gestalterin der Ausstellung, Rebecca Forner aus Berlin, meint. An jeder Tafel klebt eine bunte Postkarte - als Hinweis auf den Kontrast zwischen Deutschlands Image als weltoffenem Land und den brutalen Übergriffen. "Fremdenhass, Ausländerfeindlichkeit, rassistisch motivierte Gewalt und Menschenverachtung sind ja nicht etwa Phänomene, die wir heute alle hinter uns hätten", sagte der katholische Hochschulpfarrer Michael Bollig bei der von der Cellistin Sonja Lehrke gestaltetenen feierlichen Eröffnung am Mittwochabend. Bollig erhofft sich von der Ausstellung einen Ruck, der deutlich mache, was gehe und was nicht. "Gewalt geht nicht." Der Trierer Soziologie-Professor und Gewaltforscher Roland Eckert erläuterte "das schreckliche Phänomen" rechter Gewalt. Die Täter seien fast immer jünger als 25 Jahre und männlich, die Taten würden in aller Regel aus einer Gruppe heraus begangen. Der ideologische Hintergrund sei meist schwach, im Vordergrund stehe Lust an Gewalt. Ziel müsse sein, das Tabu, Gewalt anzuwenden, zu festigen. Die Ausstellung ist bis zum 9. Februar montags bis freitags von 9.30 Uhr bis 17.30 Uhr und samstags von 9.30 bis 14 Uhr in der Dom-Information am Domfreihof zu sehen. Der Evangelische Studierendenpfarrer Johannes Metzdorf-Schmithüsen stellte bei der Ausstellungseröffnung die Veranstaltungsreihe zum 27. Januar vor. Donnerstag, 12. Januar, 19.30 Uhr, KHG-Aula (Sichelstraße 36): Film "Amercian History X" mit Diskussion. Freitag, 13. Januar, 11 Uhr, Tufa: Theater "Kein schöner Land - Rostock-Lichtenhagen: Tage der Gewalt". Donnerstag, 19. Januar, 18.15 Uhr, ESG (Im Treff 19): Film "Heim ins Reich - das Großherzogtum Luxemburg unter dem Hakenkreuz". Freitag, 20. Januar, 8.30 Uhr, Fetzencafé Im Treff: film "Blue eyed". Samstag und Sonntag, 21. und 22. Januar, ESG: Seminar "Gewinnen ohne zu Siegen - Gewaltfreie Kommunikation". Anmeldung bei der ESG. Montag, 23. Januar, 20 Uhr, Studio des Theaters Trier: Theater "Kälte". Mit Diskussion. Dienstag, 24. Januar, 19.30 Uhr, Fetzencafé: Aspekte rechter Gewalt in Deutschland. Vortrag des Trierer Gewaltforschers Professor Roland Eckert. Mit Diskussion. Mittwoch, 25. Januar, 20 Uhr, Café zur Steipe: Von der Leidenschaft frei zu sein. Eine Hommage mit Musik und Texten , gestaltet vom Gitarrenduo Decameron, Johannes Metzdorf und Jan Nannen. Freitag, 27. Januar, 8.30 Uhr, Fetzencafé: Frühstück mit Bewährungshelferin Ute Theis, Stadtjugendpflegerin Susanne Schmitz und Jugend-Polizist Uwe Konz, Thema "Menschen fördern Toleranz und Demokratie in Trier". Freitag, 27. Januar, 12 Uhr, Uni, A/B-Foyer: Öffentliche Lesung der Kirchen von Texten zu Themen wie Frieden und Gewalt. Freitag, 27. Januar, 16.30 Uhr, Gedenktafel Sichelstraße (bei der KHG): Stadtrundgang "Trier in der NS-Zeit" mit der AG Frieden. Freitag, 27. Januar, 19 Uhr, Jesuitenkirche: Ökumenischer Hochschulgottesdienst , Motto: "Merket auf!" Sonntag, 29. Januar, 14 Uhr, Führung durch das ehemalige KZ Hinzert, Mitfahrgelegenheiten ab Trier, Info und Anmeldung: Telefon 06571/4171. Donnerstag, 2. Februar, 18.15 Uhr, ESG (Im Treff): Filmabend über jüdisch-deutsche Begegnungen.