Wirtschaft : Auch Mehringer Höhe buhlt um Tesla

Entlang der A 1 soll ein 100 Hektar großer Gewerbepark entstehen. Er könnte in das Suchprofil des US-Autobauers passen.

Wo auch immer derzeit größere Gewerbegebiete in Deutschland geplant werden, ein Name fällt immer: Tesla. Seit Tesla-Chef Elon Musk in einer Twitter-Nachricht Deutschland als führend bei der Standortwahl für ein Werk in Europa bezeichnet hat, schreiben Werber von Niedersachsen bis Bayern Briefe an den US-Elektroautobauer.

Besonders hoch sind die Erwartungen  auf die Ansiedlung einer Produktionsstätte für Elektroautos im Saarland und in Rheinland-Pfalz. Musk hatte wegen der Nähe zum Absatzmarkt in den Benelux-Ländern den deutsch-französischen Grenzraum als „wahrscheinlich sinnvoll” bezeichnet.

Auch im Verbandsgemeinderat Schweich fiel kürzlich der Name des Autobauers aus dem Silicon Valley. Und zwar in Verbindung mit einem geplanten Gewerbepark auf der Mehringer Höhe. Südlich der A 1 in Höhe der Autobahnabfahrt Mehring hat die Moselgemeinde ein etwa 1000 Hektar großes Areal auf die Eignung als Gewerbegebiet abklopfen lassen.

Die Machbarkeitsstudie des Büros igr (Rockenhausen/Schweich) kam zu dem Ergebnis, dass etwa 105 Hektar entlang der Kreisstraße 85 für gewerbliche Ansiedlungen geeignet sind. Tesla sei nicht der Auslöser für die Untersuchung gewesen, sagte Beigeordneter Erich Bales aus Mehring im Verbandsgemeinderat. Die Präsentation der Ergebnisse sei unter anderem bei Landrat Günther Schartz, dem Wirtschaftsministerium und den Kammern auf positive Resonanz gestoßen. Bales: „Wir haben hier einen Top-Autobahnanschluss und die infrage kommenden Flächen sind alle im Eigentum der Ortsgemeinde Mehring. Das ist ein großer Vorteil und würde das Verfahren beschleunigen.”

Laut igr-Chef Hubert Bruch sind bei den Untersuchungen mögliche Restriktionen wie Windkraft- und Fotovoltaikanlagen, Straßen, Kulturdenkmäler und Naturschutzgebiete berücksichtigt worden. Die Mehringer Höhe könne sukzessive für kleinere und größere Gewerbeflächen ausgewiesen werden, ohne dass man stark in den Waldbestand eingreifen müsse. „Alles ist möglich”, antwortet der Planer auf die Frage, ob das Gebiet für eine mögliche Tesla-Ansiedlung geeignet ist.

Im einem weiteren Verfahrensgang soll nun der Flächennutzungsplan geändert werden. Das ist eine Angelegenheit der Verbandsgemeinde Schweich und erfordert weitergehende Untersuchungen zur Umweltrelevanz (Artenschutz, Fauna-Flora-Habitatgebiete) zum Bedarfsnachweis und zur Erschließung (Verkehr, Entwässerung, Energie). Mehrheitlich beschloss der Rat, das Büro Jestaedt + Partner (Mainz) zu einem Pauschalhonorar von 28 000 Euro mit den Prüfungen zu beauftragen.

Andere Büros hatte die Verwaltung nicht in Betracht gezogen. Bürgermeisterin Christiane Horsch begründete dies damit, dass dem Mainzer Büro die raum- und umweltplanerischen Rahmenbedingungen bereits  bestens bekannt seien. Die SPD-Fraktion stimmte nicht für die Vergabe an Jestaedt. Das Büro habe bei Windkraftgutachten in der VG Schweich schwerwiegende Fehler gemacht, bemerkte Ratsmitglied Helmut Schneiders.

Der Gemeinderat Mehring hat sich  für einen Gewerbepark auf der Mehringer Höhe ausgesprochen. Weitere Schritte: Entscheidung des Kreises, Abstimmung mit der Regionalplanung, Machbarkeitsstudie zur Erschließung, raumordnerisches Verfahren, Änderung Flächennutzungsplan, Bebauungsplan, Fachgenehmigungen (Wasserrecht, Forstrecht, LBM) und eine  Artenschutzuntersuchung.

Kommentar:

Es ginge auch ohne Tesla

Ja, die rheinland-pfälzische Landesregierung hat bei Tesla angeklopft und Interesse an einer Ansiedlung eines Werks gezeigt. Aber wer hat das nicht? Halb Europa buhlt um den US-Elektroautobauer. Dass dieser ausgerechnet die Mehringer Höhe als Standort aussuchen könnte, wäre natürlich ein Knaller, ist aber sehr unwahrscheinlich. Selbst wenn der künftige Gewerbepark groß genug wäre für die Autofabrik, würde Tesla eine Ansiedlung sicher auch davon abhängig machen, dass Hunderte Fachkräfte und geeignete Zulieferer in der Region vorhanden sein müssten.

Bei allem Hype um den übrigens hoch verschuldeten Autobauer Tesla darf man nicht vergessen: Gerade die mittelständisch geprägte Gewerbestruktur ohne die ganz großen Player ist ein Erfolgsgarant für die gute wirtschaftliche Entwicklung im Raum Trier. Und der Gewerbepark Mehringer Höhe könnte ja je nach Bedarf abschnittsweise entwickelt werden.

Die Notwendigkeit, ein weiteres großes Gewerbegebiet in der Region auszuweisen, besteht zweifellos. Die Nachfrage von Unternehmen ist ungebrochen. Das zeigt der Industriepark Region Trier bei Föhren, der trotz der anstehenden Erweiterung voraussichtlich in fünf bis zehn Jahren wieder an seine Kapazitätsgrenze gelangen wird. In Trier gibt es so gut wie keine Gewerbeflächen mehr und im Kreis nur noch wenige.

Ein Gewerbepark auf der Mehringer Höhe hätte zwei große Vorteile: die gute Verkehrsanbindung und die Abgeschiedenheit. Weit und breit wohnt niemand. Allerdings wäre der Eingriff in die Natur erheblich, auch wenn es dort oben schon Windräder und Fotovoltaikanlagen gibt.

a.follmann@volksfreund.de