Giganten im "Spargelwald"
Große Resonanz, aber kein einheitliches Meinungsbild: Etwa 100 Bürger informierten sich am Mittwochabend über die beiden Windkraftanlagen, die die WKT "Windkraft Trierweiler" auf dem Hungerberg plant.
Trierweiler. Engagiert und kontrovers diskutierten am Mittwochabend etwa 100 Bürger aus dem Raum Trierweiler im Gemeindehaus über zwei neue Windräder, die die "WKT Windkraft Trierweiler GmbH" auf dem Hungerberg zwischen Neuhaus und Trierweiler aufstellen möchte. Zwei Anlagen aus den neunziger Jahren sollen abgerissen und durch moderne, größere (149 und 179 Meter) ersetzt werden. Der Gemeinderat Trierweiler will der dafür erforderlichen Änderung des Bebauungsplans "Hungerberg" nur zustimmen, wenn die Bevölkerung mehrheitlich hinter dem Projekt steht. Bei der Bürgerbeteiligung trafen Pro- und Contra-Argumente aufeinander, es war kein einheitliches Meinungsbild erkennbar (siehe "Extra"). Investoren-Sprecher Helmut Kluth sagte, den "sauberen" regenerativen Energien gehöre die Zukunft; fossile Brennstoffe wie Erdöl und Gas seien in einigen Jahrzehnten aufgebraucht. Aus Wirtschaftlichkeitsgründen sei die Aufstellung von größeren Windrädern heute ein Muss. Das für Trierweiler geplante Modell "Enercon 82" (Rotor-Durchmesser 82 Meter, Nennleistung 2000 KW) sei dank neuester Technik geräuschärmer als die alten Anlagen, die nun ersetzt werden sollen, sagte Enercon-Sprecher Christof Strebe. Kritik übten Versammlungs-Teilnehmer, weil er keine detaillierten, auf den Standort zutreffenden Schall- und Schattenwurf-Prognosen vorlegen konnte. Zufriedener waren die Bürger mit den Fotomontagen, die Horst Blaschke vom Trierer Planungsbüro Ernst+Partner an die Wand warf: zehn Ansichten des Windparks von unterschiedlichen Standorten, darunter vom Niederweiler Hof, aus Udelfangen, Fusenich und Neuhaus. "Schockierend", "Gigantismus", urteilten einige, andere bemerkten, man habe durch die Autobahn und die B 51 schon Belastungen genug. Gegen Ende der dreistündigen Versammlung mehrten sich die Pro-Stimmen. "Ich habe lieber einen Spargelwald vor mir als die Wasserdampf-Fahne des Atommeilers von Cattenom", meinte ein Anwohner, der sich auch nicht von den bestehenden Anlagen gestört fühlt: "Unsere gepflasterte Dorfstraße ist viel lauter." Ortsbürgermeister Daleiden will vor einer Entscheidung im Rat das Votum der Ortsbeiräte abwarten und eventuell eine weitere Bürgerversammlung einberufen. Meinung Die Höhe toppt alles Treibhaus-Effekt und Klimawandel lassen die Aktien der regenerativen Energien steigen. Windkraft ist heute allgemein anerkannt, nur gilt nach wie vor das Kirchturm-Prinzip: Die riesigen Mühlen dürfen überall stehen, nur nicht vor der eigenen Haustür. Eine breite Mehrheit für das Hungerberg-Projekt wird es trotz günstiger Faktoren (saubere Energie, heimische Investoren, erfahrener Hersteller) nicht geben, solange eine Zahl im Raum stehen bleibt: 179. Diese Höhe wird alle Argumente toppen. Wenn die Investoren nicht bereit sind, kleinere Brötchen zu backen, werden sie sich anderweitig umschauen müssen. a.follmann@volksfreund.deEXTRA Zitate aus der Bürgerversammlung: "Der Rat will ein klares Bild, alle relevanten Dinge müssen auf den Tisch." (Ortsbürgermeister Matthias Daleiden) "Wir können keine Null-Belastung erwarten, wir leben in einer technisierten Gesellschaft." (Alfred Dewald, VG Trier-Land) "Auf lange Sicht werden die regenerativen Energien die günstigsten am Markt werden." (Investor Herbert Kluth) "Warum dieser Gigantismus? Kann man die Anlagen nicht auf ein vertretbares Höhenmaß reduzieren?" (Besucher) "Die Bilder sind schockierend, wir müssen vorsichtig sein mit unserer Landschaft." (andere Bürgermeinung) "Die Höhe spielt doch keine Rolle. Viele fahren extra nach Paris, um den Eiffelturm zu sehen." (scherzhafter Einwand)