Glaube im Alltag: Finale

„Sinnloser als Fußball ist nur noch eins: Nachdenken über Fußball“, sagt der Schriftsteller Martin Walser. Nun ja, wir wollen es trotzdem versuchen.

Am Sonntag ist das Finale - leider ohne deutsche Beteiligung. Ein Monat Hoffen und Bangen mit der deutschen Mannschaft liegt hinter uns bei der EM 2016. Legendär vor allem das irre Elfmeterschießen im Viertelfinale gegen Italien. Meine Nerven!

Ein norwegischer Wissenschaftler hat die Furcht der Schützen beim Elfmeter erforscht, die bekanntlich trotz Trainings unter enormem Stress stehen. Die Schützen noch mehr als die Torhüter. Klar, der eine kann zum Held werden, der andere zum Versager. Der Wissenschaftler hat rausgefunden, was wir im Grunde immer schon geahnt haben: Es ist alles Psychologie. Je eiliger es die Schützen mit der Ausführung des Strafstoßes hatten, desto wahrscheinlicher verschossen sie den Ball. Hastige Spieler, die nach dem Pfiff des Schiedsrichters weniger als 200 Millisekunden warteten, trafen in nur 57 Prozent der Fälle. Wer sich zumindest eine Sekunde Zeit ließ, traf mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent. Der Psychologe sagt: "Indem der Spieler übereilt schießt, versucht er die Stresssituation so schnell wie möglich hinter sich zu bringen." Das sei im Grunde nichts anderes als Fluchtverhalten.

Von den erfolgreichen Elferschützen lässt sich also einiges lernen. Sich kontrollieren bei Stress, sich der Situation stellen, nicht Augen zu und durch. Das führt zum Erfolg.

Ob der Apostel Paulus die Gläubigen vor 2000 Jahren deshalb mit Leistungssportlern verglichen hat? "Wisst ihr nicht, dass die, die in der Kampfbahn laufen, die laufen alle, aber einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt", schreibt er im ersten Korintherbrief. Könnte schon sein. Die wirklich wichtigen Dinge des Lebens mit klarem Kopf anzugehen, ist auf jeden Fall nicht verkehrt.

Pfarrer Christoph Urban, Konz

Christoph Urban.

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