Glaube im Alltag : Blick aufs Ganze

schaut hin – unter diesem Leitwort findet in diesen Tagen der dritte Ökumenische Kirchentag statt. Ursprünglich wollten sich Christinnen und Christen in Frankfurt treffen, jetzt tun sie es digital.

„Wir schauen nicht weg“ und „Schauen bleibt stehen und übernimmt Verantwortung.“ So erläutern Verantwortliche das Motto des Treffens. Obwohl lange vor Corona gefunden, passt das Leitwort doch genau in die Zeit der Pandemie. Viele Menschen in unserem Land handeln nach diesem Motto. Sie achten aufeinander und bieten anderen ihre Hilfe an.

Seit einiger Zeit präsentiert ein Nachrichtenportal als neue Kategorie positive Nachrichten gegen die vielen Katastrophen und Skandale. Es ist ein buntes Sammelsurium von kurzen Meldungen aus unterschiedlichen Bereichen. Die Inhalte sind häufig die gleichen wie bei anderen Anbietern, nur eben anders akzentuiert – oft schon in der Überschrift. Aktuelles Beispiel von Anfang der Woche: Klagen über zu wenig Impfstoff, schlechte Organisation, Millionen Menschen Ü-60 ungeimpft. Man kann aber auch berichten: Schon jeder dritte Deutsche ist einmal geimpft, die Impfkampagne kommt gut voran.

Solche Zuspitzungen in der Berichterstattung durch Wortwahl und Bildsprache erzeugen einen einseitigen Blick auf Ereignisse oder Entwicklungen. Gelegentlich drängt sich der Gedanke auf, dass nur Nachrichten interessant genug sind, die möglichst große Empörungswellen nach sich ziehen und Unzufriedenheit auslösen.

Es ist nicht immer leicht, Fakten und Meinungen auseinanderzuhalten, besonders wenn viele persönlich betroffen sind. Dann können sich negative Stimmungen schnell aufschaukeln und schon entsteht Empörung. Das „schaut hin“ des Kirchentages kann daran erinnern erstmal stehenzubleiben und die eigene Reaktion zu bedenken.

Ingrid Müller, Pastoralreferentin Trier