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Glaube im Alltag von Pfarrerin Maike Roeber aus Trier 

Glaube im Alltag : Trailer!

Der November hat begonnen, das Jahr neigt sich seinem Ende zu – noch ist es jedoch nicht vorbei.

Manchmal wünsche ich mir, es wäre schon so weit. Weg mit diesem Jahr, das so vieles auf den Kopf gestellt hat und stellt. Und in dem viele in ihrem Kalender einen Termin nach dem anderen gestrichen haben. Um ihn irgendwann im nächsten Jahr nachzuholen.

Nun habe ich mir einen Kalender für 2021 gekauft – und denke: Wie soll ich denn jetzt am besten planen? Alles irgendwie unter Vorbehalt, mit angezogener Bremse… - „Ich kaufe keinen Kalenderplaner für 2021, bevor ich keinen Trailer für das nächste Jahr gesehen habe“, hat jemand irgendwo gepostet.

Genau, dachte ich, das wär‘s. Eine Vorschau auf die nächsten Wochen und Monate, aufs kommende Jahr. Auf das, was garantiert stattfinden wird. Um sich wenigstens ein wenig vorbereiten zu können… - Eine Art Trailer habe ich in der Jahreslosung gefunden, dem Bibelvers, der schon jetzt als Gedanke über dem kommenden Jahr steht. Es ist ein Satz Jesu aus dem Lukasevangelium.

Dort sagt er zu seinen Freunden: „Seid barmherzig, wie auch Gott barmherzig ist“. Für mich vielleicht die beste Vorschau, nicht nur für das neue Jahr. Gott ist barmherzig – denn er ist da. Auch in diesen Zeiten. Er steht zu mir. Nimmt mich so an, wie ich bin. Hilft mir. Und öffnet mir das Herz: Gottes Barmherzigkeit inspiriert mich, selber barmherzig zu sein. Gemeinsam durch diese wilden Zeiten zu gehen. Zusammen zu fluchen, wenn wieder ein Plan nicht gelingt, ein Termin abgesagt werden muss. Zusammen zu hoffen, wenn das Herz schwer wird und der Himmel dunkel. Zusammen zu weinen, zu trauern, wenn es richtig hart wird, weil diese Pandemie den Job, die Existenzgrundlage gekostet hat.

Oder weil wir jemanden verloren haben, ohne den wir uns das Leben eigentlich nicht vorstellen können.

Füreinander da zu sein, wenn das alles manchmal einfach zu viel wird… – Gottes Barmherzigkeit jedenfalls wird niemals abgesagt. Sie ist da. Vor allem, wenn wir es ihr gemeinsam gleichtun.

Pfarrerin Maike Roeber, Trier