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Glaube im Alltag von Pfarrerin Vanessa Kluge

Glaube im Alltag : Woran der Umwelttag erinnert

Und nehmen Sie für das Wort ,grün’ nicht ,green’, sondern ,verdant’. Dieses alte Wort kommt vom französischen ,vert’ und klingt eleganter“, war der Tipp eines Professors für Anglistik, den ich zufällig bei einer Sprachreise traf, als wir „Straßeninterviews“ machen mussten, um unser Englisch zu verbessern.

Der Tag liegt gut 30 Jahre zurück. Damals habe ich es meinen Eltern erzählt, weil mich die Sprachverwandtschaft faszinierte. Sie meinten lachend: „Merk’ ihn dir. Der Satz ist voll Europa.“

In den vergangenen Tagen fiel er mir wieder ein. Zufällig war ich im Internet auf einen Artikel zum Weltumwelttag der Uno am 5. Juni gestoßen. Beim Lesen war ich wieder 15 Jahre alt und lauschte dem Professor, wie liebevoll er von der Farbe Grün sprach. Er beschrieb damit, was er besonders in Cambridge schätze: die grünen Gärten. Das Leben dort, die Ruhe, die wertvolle Stille. Diese Plätze zum Atmen. Plötzlich dachte ich: Erst jetzt verstehe ich wirklich, was er damals gesagt hat. Die Schönheit der Natur. Das Leben, das draußen stattfindet, die Eleganz des blühenden Grüns. Ich erlebe es in den letzten Jahren aufmerksamer. Auch besorgter, weil mein Blick für Umweltfragen schärfer wird.

Ich mache nicht alles richtig. Lebe nicht ökologisch perfekt – da ist noch Ausbaupotenzial. Aber bei dem Professor von einst höre ich jetzt neben seinem Lob über das Grün auch ein Aufrütteln, es zu schützen. Dass dies eine Aufgabe ist, die nicht nur mich betrifft, daran erinnert der Weltumwelttag. Gerne würde ich dem Professor heute sagen: Ich hoffe mit dem Psalm-Beter, dass Gottes Güte, so weit der Himmel ist, und seine Wahrheit, soweit die Wolken ziehen. Und dass es gut ist, wenn beides sich in elegantem Grün erdet.

Pfarrerin Vanessa Kluge, Ehrang, vanessa.kluge@ekkt.net