Glaube im Alltag : Tag der gerecht bezahlten Arbeit

Mindestens vier St.-Martin-Pfarreien gibt oder gab es im engeren Umfeld von Trier – aber keine einzige heißt St. Josef. Für den hat der Papst ein ganzes Jahr ausgerufen; und am 1. Mai gedenkt die katholische Kirche seiner noch mal extra in seiner Rolle als Handwerker und Ernährer seiner kleinen (oder vielleicht auch größeren?

) Familie. Josef von Nazareth hatte für Jesus eine Vaterrolle übernommen; und in der kleinen Stadt in Galiläa galt er auch als sein Vater.

Am Tag der Arbeit richtet sich der Blick mehr auf den Zimmermann; der hat Häuser gebaut und ausgestattet – und damit enden schon die Informationen der Bibel über ihn. War wohl ein Mensch der Tat und weniger des Wortes. Jedenfalls staunen die Leute in Nazareth, als Jesus da zum ersten Mal predigt: Das ist doch der Sohn vom Zimmermann Josef! Wer hätte dem das zugetraut?

Aber egal – oder sogar eben darum: Josef, der Arbeiter, weist darauf hin, dass die Arbeit zum menschlichen Leben dazugehört. In der Bibel beauftragt Gott die Menschen, dass sie mit‑arbeiten an der Schöpfung. Schon dieser göttliche Auftrag gibt jedem Menschen ein eigenes Recht auf Arbeit.

In Pandemie-Zeiten bekommt der 1. Mai noch einen weiteren Akzent: Es ist ja schon vergangenes Jahr aufgefallen, wie schlecht ausgerechnet „system-relevant“ Arbeitende bezahlt werden – für oft genug körperlich und seelisch sehr schwere Arbeit im Dienst an anderen Menschen und an der Gesellschaft. Am Tag der Arbeit macht der Arbeiter Josef auch darauf aufmerksam: Es braucht gerechtere Löhne in Krankenhaus und Pflege, im Verkehr und bei Reinigungsdiensten – und überall.

„Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen“, schreibt der Apostel Paulus. Vielleicht meint er ja die Leute, die lieber ihr Geld und andere Leute arbeiten lassen; und lädt sie ein, sich zu beteiligen, Gutes zu tun und für mehr Gerechtigkeit zu sorgen – für alle.