Kirche : Die Himmelsleiter

Bin neulich mit drei Kumpels den Neckarsteig gewandert. In Heidelberg beginnt die Etappe mit der Himmelsleiter. 1335 Stufen aus Sandstein führen schnurgerade auf den Königstuhl herauf. 680 Meter, 270 Höhenmeter.

Oben war ich dann bei guter Laune, aber unterdessen, muss ich sagen: ziemlich heftig. Was habe ich über den Himmel gelernt, frage ich mich? Offenbar ist der Weg steinig und schwer.

Von dem Erzvater Jakob aus dem Alten Testament wird ebenfalls eine Geschichte mit einer Himmelsleiter erzählt. Jakob ist auf der Flucht. Vor seinem Bruder. Der will ihn totschlagen. Weil er ein Betrüger ist. Wegen der Geschichte mit der Linsensuppe. Jakob ist der Zwillingsbruder von Esau, nur ein paar Minuten jünger. Esau ist der Erstgeborene, ihm soll einmal alles gehören. Jakob schwatzt seinem Bruder das Erstgeburtsrecht ab für einen Teller Linsen, verkleidet sich als Esau und erhält von seinem blinden Vater auf dem Sterbebett den Segen.

Jetzt ist Jakob also auf der Flucht. Er ist müde, die Wanderung war lang. Er legt sich schlafen, ein Stein unter seinem Kopf. Jakob träumt. Er sieht eine riesige Leiter, die von der Erde in den Himmel führt. Oben an der Leiter steht Gott. Der spricht zu Jakob: Ich will dich begleiten und behüten. Jakob wacht auf. Er ist beruhigt und baut Gott an der Stelle ein Steinmal. So weit, so gut. Rätselhaft in der Geschichte bleibt allein die Himmelsleiter, von der gesagt wird: Die Engel steigen an ihr herauf und herab. Warum, wird nicht erklärt.

Die Himmelsleiter mit ihren 1335 Stufen auf dem Neckarsteig bringt mich auf eine Idee: Vielleicht steigen die Engel die Leiter herauf und herab, um die müden Wanderer auf ihrem Weg nach oben ein wenig zu stützen. Ich hätte jedenfalls neulich nichts dagegen einzuwenden gehabt – und auch sonst nicht, wenn‘s mal steinig und schwer ist.

Pfarrer Christoph Urban, Konz