Glaube im Alltag : Gott begegnen

Triererinnen und Trierer nennen sie eigentlich immer Jesuitenkirche. Manche wissen auch noch, dass sie ganz früher ursprünglich mal zum Franziskaner-Kloster gehört hat. Aber eine Dreifaltigkeits-Kirche kennt kaum jemand.

Dabei hat sie wohl mit eine der abwechslungsreichsten Geschichten aller Kirchen in der Stadt.

Von den Franziskanern haben die Jesuiten die damalige Marienkirche übernommen. Sie haben sie umbenannt und als Dreifaltigkeitskirche für ihr Kolleg und die neue Universität genutzt; in der Krypta ist Friedrich Spee begraben, der berühmte Dichter-Pater, der sich auch gegen den Hexenwahn engagiert hatte…

Die französische Revolution hat die Kirche als Weinlager gebraucht und später als „Tempel der Vernunft“. Danach war sie kurz „Simultan-Kirche“ für die katholische und die neue evangelische Gemeinde, dann evangelische Pfarrkirche. Karl Marx ist da konfirmiert worden. Und erst seit 1857 gehört „Jesuiten“ wieder zum Priesterseminar.

Am Sonntag hat sie ihr Patronats-Fest – der Dreifaltigkeits-Sonntag nach Pfingsten erinnert ja daran, dass der Eine Gott in drei Personen für die Menschen da ist: Der mütterliche Vater; der menschliche Bruder Jesus Christus; und der Heilige Geist als schöpferische Liebe zwischen beiden und zu den Menschen.

Mit diesem einen Gott haben die Menschen sehr viele ganz unterschiedliche Erfahrungen; manche verlassen sich vor allem auf den allmächtigen Vater. Viele freuen sich, Gott in einem so menschlichen Menschen zu begegnen – und wissen, dass sie IHN sehen, wenn sie einem anderen Menschen ins Gesicht blicken. Und dass Menschen leben und für andere dasein und dass sie dabei Gott begegnen können: das schenkt der Heilige Geist.

Das ist ein sehr farbiger und vielgestaltiger Gott – und die Geschichte der Menschen mit diesem Gott ist noch viel bunter und abwechslungsreicher als die der Dreifaltigkeitskirche – mitten im Leben und fast mitten in unserer Stadt.

altfried g. rempe, Pastoralreferent in Trier