Glaube im Alltag

"Was ist ein Keks unter einem Baum?" Meine Nichte, fünf Jahre alt, strahlt mich an. Ihr Mund ist schokoladenverschmiert, und ihre Augen blitzen.

Sie gluckst und kichert, und dann platzt es auch schon aus ihr heraus: "Ein Keks unter einem Baum - das ist ein schattiges Plätzchen!" Wir prusten miteinander los. Meine Nichte ist einfach unwiderstehlich in ihrer Lebensfreude. Im Witzeerzählen ist sie schon ganz groß, die Kleine. Sie schafft es immer wieder, mich zum Lachen zu bringen. Der Kabarettist Hanns Dieter Hüsch war auch so einer. Auf seine Art Kind geblieben - und voller Lebensfreude. "Ich bin vergnügt, erlöst, befreit", hat er mal getextet. "Gott nahm in seine Hände meine Zeit." Die Zeit von Hüsch, die war allerdings alles andere als rosig. Bis er 14 Jahre alt war, litt er unter einer schweren Fehlbildung seiner Füße, musste mehrfach operiert werden, konnte schlecht laufen geschweige denn spielen und toben. In dieser Zeit, so hat er mal gesagt, hat er sich "sehr schnell alleine" gefühlt. Aber das war nicht alles. Mehrmals hat er finanzielle Existenzkrisen überstanden, eine Krebserkrankung und den frühen Tod seiner ersten Frau. Und trotzdem war er "vergnügt, erlöst, befreit", konnte lauthals lachen über das Leben und unbeschwert sein wie ein Kind. Wie meine Nichte mit ihrem Keks unter dem Baum - Sie wissen schon, das schattige Plätzchen. Das war schon erstaunlich, wie mich das aus meinen Grübelgedanken rausgerissen hat. Lachen befreit. Hanns Dieter Hüsch hat gewusst: Es gibt mehr als Geldsorgen, Krankheit und Verlust. Und das war für ihn "Gottvertrauen": "Was macht, dass ich so unbeschwert und mich kein Trübsinn hält?" Hat er gefragt. Seine und meine Antwort? "Weil mich mein Gott das Lachen lehrt - wohl über alle Welt." Pfarrerin Maike Roeber, Trier