Glaube im Alltag : Zurück auf Start

In Gesellschaftsspielen gibt es gelegentlich die Anweisung zum Start zurückzugehen und von vorne anzufangen. Im Blick auf das vergangene Jahr könnte man sich das geradezu wünschen. Seitdem wurde das gesamte gesellschaftliche Leben in Deutschland und weltweit auf den Kopf gestellt.

Mund-Nasen-Bedeckung, Abstand halten und Händedesinfektion hielten Einzug in den Alltag, der Lockdown wurde Rettungsanker und Schreckgespenst, aber auch Quelle von viel Kreativität im Kleinen und Großen.

Viele wünschen sich zurück in die Zeit vor Corona, träumen von vollen Stränden und Partys in überfüllten Bars. Manche folgen den Hirngespinsten von Verschwörungsmythen. Und eine Spezies Mensch scheint sich sprunghaft zu vermehren und ist in den Medien sehr präsent: die alles besser wissen und viel besser gemacht hätten – natürlich im Nachhinein. Je nach Thema und Temperament wechseln sich Empörung und (An)Klagen ab, erscheinen geradezu als Markenzeichen. Seit die Impfungen begonnen haben mehren sich daneben die Stimmen, die von der nun nahen Zeit „nach Corona“ sprechen, wenn ja alles wieder ist wie vorher. Endlich zurück auf Start – zur guten alten Zeit vor Corona mit Massentourismus, Party- und Stadtfestgedränge.

Die Frage, ob es erstrebenswert ist einfach dahin zurückzukehren, beantwortet ein Aufruf des Propheten Jesaja in Krisenzeiten: Denkt nicht mehr an das, was früher war; auf das, was vergangen ist, achtet nicht mehr! Siehe, nun mache ich etwas Neues. Schon sprießt es, merkt ihr es nicht?

Mit der Erfahrung der Krise den Blick auf den Neubeginn richten ist viel mehr als das Zurück-auf-Start im Spiel. Dieses Neue ist für jede und jeden etwas Anderes, wichtig ist es dies zu sehen und mit in die neue Zukunft zu nehmen.

Ingrid Müller

Pastoralreferentin in Trier