glaube im alltag

"Meine Stadt gibt es nicht mehr", wird der Bürgermeister von Amatrice, dem Ort des schweren Erdbebens mit mehreren Hundert Toten, zitiert. Das Beben zu nachtschlafender Zeit und die vielen Sommergäste im Ort trieben die Zahl der Toten und Verletzten in die Höhe.

"Ich weiß nicht, wo Gott war, als das passiert ist", wird die Fassungslosigkeit eines Pfarrers über die Zerstörung und die vielen Opfer wiedergegeben. Angesichts des unermesslichen Leids der Menschen ist die Reaktion des Pfarrers mehr als verständlich. Die Frage dahinter hat wohl die meisten Menschen schon einmal umgetrieben, wenn sie in einer leidvollen Erfahrung nach dem Sinn suchten. Wie kann der gute Gott, an den ich so gerne glauben möchte, das persönliche Leid und das Unheil in der Welt zulassen? Die Antwort wird immer die gleiche sein müssen: Ich weiß es nicht. Das ist schwer auszuhalten, weil wir Menschen gerne wüssten, wer Schuld hat, wie und warum alles funktioniert oder eben auch nicht. Aber das klappt nicht und hat noch nie geklappt, wie schon ein Beispiel aus dem Johannesevangelium zeigt: Jesus tritt dem damals verbreiteten Glauben entgegen, jedes Leid müsse auf eigene Sünden oder Vergehen der Vorfahren zurückzuführen sein. "Weder er noch seine Eltern haben gesündigt", weist er die Frage zurück, wer die Blindheit eines Mannes verursacht habe. Einfache Antworten und schnelle Schuldzuweisung sind nicht Jesu Sache - ganz in der Tradition der Bibel: Gottes Gedanken sind nicht die Gedanken der Menschen. Oder: Gott ist immer anders, als wir ihn uns vorstellen und gerne hätten. Das ist ungleich schwieriger zu ertragen als die Gewissheit frommer Antworten auf jede Frage. Aber das Ausharren mit den Betroffenen ist - neben konkretem Zupacken - die mögliche Hilfe in Situationen wie in Amatrice. Ingrid Müller Pastoralreferentin in Trier Liebe Leserinnen und Leser, am Samstag ist ein Glaube im Alltag erschienen, der bereits zuvor veröffentlicht worden war. Den eigentlich geplanten Beitrag reichen wir heute nach und bitten um Entschuldigung!

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