GLAUBE IM ALLTAG

Seit einigen Monaten haben wir so eine Bio-Gemüsekiste abonniert. Jeden Mittwoch hole ich die Kiste im Geschäft ab.

Regionales, saisonales, biologisch angebautes Obst und Gemüse zu fairen Preisen wird mir Woche für Woche zusammengestellt. Die Gemüsekiste ist jedes Mal eine kleine Überraschung. Ein paar Sachen sind zu erwarten: Kartoffeln und Äpfel waren bisher fast jedes Mal dabei. Darüber hinaus kann im Grunde alles Mögliche drin sein. Mal Kopfsalat, Spinat und Walnüsse, dann Spitzkohl, Pilze und Karotten. Mit der Kiste lerne ich sogar mir unbekannte Gemüsesorten kennen: Schwarzkohl, Spaghettikürbis und Postelein kannte ich vorher nicht. Zum Glück liegt der Kiste immer ein Rezeptzettel bei. So haben wir zuletzt viele leckere Dinge gegessen, die wir vorher gar nicht kannten oder nie so zubereitet hätten. Natürlich war auch die eine oder andere Enttäuschung dabei, zum Beispiel der Zuckerhut, der entgegen seines Namens furchtbar bitter schmeckte. Würde man Forrest Gump gesundheitsbewusst neu verfilmen, könnte man das berühmte Zitat ändern: "Das Leben ist wie eine Gemüsekiste - man weiß nie, was man kriegt." Diese Lebensweisheit ist so simpel wie einleuchtend. Es ist im Leben eben so, dass man meist nicht weiß, was als Nächstes auf einen zukommt. Wenn ich zurückblicke, sind es oft gerade die unerwarteten Wendungen, die geplatzten Pläne, die überwältigenden Herausforderungen, die dem Leben eine besondere Würze gegeben haben. Oftmals war die ungewollte Abzweigung im Nachhinein besser als das ursprünglich geplante Ziel. Manchmal bleibt jedoch der bittere Beigeschmack - wie beim Zuckerhut. Seit meiner Konfirmation begleitet mich ein Bibelvers, der mir Mut macht, die Überraschungen des Lebens anzunehmen: "Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen." (Römer 8, 28a). Pfarrer Matthias Ratz, Trier