Glaube im Alltag

Ich bin im Stress. Schnell noch ins Gemeindebüro, bevor ich zum nächsten Termin fahre.

Wieder zurück zum Auto. Schwungvoll reiße ich die Autotür auf und: "Plopp" - wichtige Papiere segeln aus der Türe auf den Bordstein und fallen durch die Gullyschlitze. Schock! Ich starre auf die Papiere im Gully. Unbewusst rufe ich ziemlich laut: "Oh nein!", bücke mich, rüttele an dem Gully - keine Chance. Tränen steigen mir in die Augen. Die Papiere sind echt wichtig. Ein Herr geht mit Einkaufstüten vorbei. Er hat alles gesehen. "Was ist passiert?" Ich zeige auf die Papiere: "Die sind doch so wichtig!" - "Ach, warten Sie mal." Er stellt die Taschen ab, öffnet mit kräftigem Ruck den Gully und versucht die Papiere heraus zu angeln. Vergeblich. "Oh, das ist zu tief", sage ich besorgt. Meine Hoffnung schwindet. Er grinst mich an. Schneller als ich gucken kann, liegt er auf dem Bauch, ergreift die Papiere, springt auf, drückt sie mir in die Hand und verschließt den Gully. Meine Erleichterung ist unfassbar - dieses Mal steigen Freudentränen in meine Augen. Ich greife seine Hand: "Danke! Sie sind mein Retter des Tages. Haben Sie ganz vielen herzlichen Dank!" Sprachlos schaut er mich an, grinst, nickt freudig und geht. Und ich verstehe plötzlich, was Paulus meint, wenn er sagt: "Jeder soll so viel geben, wie er sich in seinem Herzen vorgenommen hat. Es soll ihm nicht leidtun, und er soll es auch nicht nur geben, weil er sich dazu gezwungen fühlt. Gott liebt fröhliche Geber!" Von Herzen Danke sagen ist gar nicht schwer und ist schön, wenn es das Gegenüber sprachlos macht. Versuchen Sie es doch mal - von mir aus am morgigen Erntedankfest. Aber auch gerne danach. Pfarrerin Vanessa Kluge, Ehrang

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