Glaube im Alltag

Heute rief mein Freund Jonas an. Am ersten Tag unseres Studiums haben wir uns kennengelernt und sind sehr schnell sehr gute Freunde geworden.

Wir haben gute und schlechte Zeiten und viel an Alltag geteilt und zwischendurch auch mal weniger miteinander zu tun gehabt. Mittlerweile wohnen wir zwei Autostunden voneinander entfernt. Wir haben jeweils geheiratet (Jonas hat meine Frau und mich getraut), das erste Kind ist da bzw. auf dem Weg, und wir haben jeder eine feste Stelle. So haben im Laufe der Zeit andere Dinge Vorrang vor unserer Freundschaft erhalten. Trotzdem haben wir den Kontakt gehalten, telefonieren alle paar Wochen und schaffen es recht regelmäßig, uns zu treffen. Heute sprachen wir darüber, wie schön es ist, dass wir uns beide um die Freundschaft bemühen. Von den anderen aus unserer Studenten-Clique hören wir nur selten noch etwas, manche Freundschaft ist einfach im Sande verlaufen. Alte Schulfreundschaften bestehen zum Teil noch, aber in einigen Fällen hat man sich so verschieden entwickelt, dass nur noch die Vergangenheit diese Beziehungen trägt. Es ist ebenso bedauerlich wie natürlich, dass manche Freundschaften irgendwann einschlafen. Und wenn man einmal in Beruf und Familie fest eingebunden ist, wird es auch nicht leichter, neue Freunde zu finden. Umso schöner, wenn man gute alte Freundschaften pflegen kann! Wie mit Jonas. Dazu bedarf es auch ein wenig Aufwand und Anstrengung. Ich finde, mit meiner Beziehung zu Gott ist es ein bisschen so wie mit einer langjährigen Freundschaft. Mit Gott bin ich durch dick und dünn gegangen. Mal habe ich das Gefühl, mit ihm in einer ganz engen Verbindung zu stehen, dann gibt es wieder Phasen, wo ich fast vergesse, dass es ihn gibt. Das ist normal. Es braucht ein bisschen Anstrengung, den Kontakt mit Gott zu halten. Das ist nicht schwer, läuft aber eben nicht von alleine. Eins ist jedoch klar: Gott wird die Beziehung niemals aufgeben. Pfarrer Matthias Ratz, Trier