Glaube im Alltag

Füße, die aus einer Wolke rausgucken. Ich freue mich jedes Mal wie Bolle, wenn ich in Kirchen die Darstellung sehe - am liebsten als Relief oder Statue.

Da gucke ich immer, ob Jesu staubige Füße hat, was selten ist, weil Staub gewischt wird. Und dann überlege ich, ob ich mich trauen könnte, die Füße zu kitzeln - tu ich aber nie, weil man so was ja nicht macht. Wie auch immer - die kindliche Freude an Himmelfahrt gehört mir. Auch ohne Staub glaube ich, dass Jesus bestimmt staubige Füße hatte. So wie ich, wenn ich im Sommer barfuß laufe. Und ich glaube auch, dass er kitzelig war an den Füßen. Wer ist das nicht? Warum ich das glaube? Welchen Sinn würde denn Himmelfahrt sonst machen? Nicht, dass es an dem Tag um staubige kitzelige Füße geht. Aber darum, dass der Auferstandene zu Gott kommt oder wie wir Christenmenschen über die Konfessionen hinweg bekennen "aufgefahren in den Himmel, er sitzt zur rechten Gottes..." um von dort aus zu richten, für uns einzutreten. So seltsam es sich anhört, mir tut es gut zu wissen, dass in unserem Glauben keine abstruse mystische Macht am Werk ist, sondern Gott. Gott, der die Menschen so sehr liebt, dass er seinen Sohn Mensch werden lässt; der sich mitfreut, der mitleidet; der menschliches Leben in seinen Höhen und Tiefen kennt; der sich bei Problemen nicht aus dem Staub macht, sondern alles aushält. Und genau der sitzt zur Rechten Gottes. Einer, der das Leben kennt - auch meins. Da erlebe ich im Glauben den Himmel auf Erden. Wo? Überall da, wo ich auf Menschen treffe, die sich an diesen Gott halten. Auf sein Wort hören. Nun, ich werde heute mal mit staubigen kitzeligen Füßen durchs Leben gehen. Und Sie? Pfarrerin Vanessa Kluge, Ev. Kirchengemeinde Ehrang, kluge.ehrang@ekkt.de