Globus Trier: Kunden lassen mehr als eine Milliarde Euro in Trierer Geschäften

Einzelhandel : Kunden lassen mehr als eine Milliarde Euro in Trierer Geschäften

Die Stadt Trier verzeichnet seit Jahren stets Spitzenpositionen bei der Attraktivität des Einzelhandels. Doch die Konkurrenz in Luxemburg baut ihre Kapazitäten aus.

Von Christiane Wolff

1,2 Milliarden Euro – so viel Geld geben Kunden Jahr für Jahr im Trierer Einzelhandel aus, für Lebensmittel, Waschpulver, Handtücher, Töpfe und Kleider etwa. Das Oberzentrum ist laut einer Untersuchung der Gesellschaft für Konsumforschung das stärkste Einzelhandelszentrum Deutschlands: Den Supermärkten, Boutiquen, Schuhläden und anderen Geschäften gelinge es nicht nur, das Geld, das den Trierern für Einkäufe zur Verfügung steht, zu binden, sondern ziehe auch viele Konsumenten aus dem Umland an. Das Maß dafür ist die Einzelhandelszentralität: Liegt diese bei 100 Punkten, fließt genau die Geldmenge aller Menschen im Einzugsgebiet einer Kommune in deren Einzelhandel. Alle Werte über 100 zeigen, dass auch Kunden von außerhalb angelockt werden.

Trier verzeichnete auch in der Vergangenheit Spitzenpositionen bei der Einzelhandelszentralität. Doch der Wert sinkt: Nach Berechnungen des städtischen Amts für Statistik erreichte Trier 2006 noch 232 Punkte. Mittlerweile sind es noch 188 – ein Rückgang von knapp 20 Prozent.

„Eine Zentralitätsrate von etwa 190 ist immer noch ein sehr guter Wert“, sagt Christian Muschwitz. Der promovierte Raum- und Stadtplaner ist Geschäftsführer des Trierer Raumplanungsinstituts Raumkom. Auch die vielen Touristen trügen zu der guten Rate bei. „Ein sehr großer Zufluss kommt außerdem aus Luxemburg“, sagt Muschwitz.

Trier könnte als Einkaufsstadt weiter an Attraktivität verlieren: Alleine im luxemburgischen Gasperich – etwa 45 Kilometer von Trier entfernt – entsteht derzeit ein Shopping-Center mit 130 Geschäften und einem Auchan-Supermarkt mit einer Verkaufsfläche von 12 500 Quadratmetern.

„Die Luxemburger werden versuchen, dass ihre Kunden ihr Geld statt in Trier in den eigenen Geschäften ausgeben – ein durchaus berechtigtes Interesse“, sagt Muschwitz. Die Geldmenge, die in den Trierer Einzelhandel fließt, würde damit weiter sinken.

Die Stadtverwaltung will dagegen steuern: War bislang der Bau von großflächigem Einzelhandel auf der grünen Wiese politisch nicht gewünscht, sieht der Entwurf des neuen Einzelhandelskonzepts dafür explizit Möglichkeiten vor – zum Beispiel entlang der Eurener Straße Richtung Luxemburg. Dort will sich das Handelsunternehmen Globus niederlassen (der TV berichtete). Will Trier seine Poleposition als Einkaufsstadt behalten, müssten sich laut Stadtverwaltung auch Läden mit Sortimenten ansiedeln, die bislang im Oberzentrum unterrepräsentiert sind – zum Beispiel mit Sportartikeln und teuren Luxus-Marken.

Raumplaner Muschwitz meint: „Der Grund für Kunden aus Luxemburg nach Trier zu kommen, sind nicht die großen Geschäfte auf der grünen Wiese mit auswechselbarem Charakter, sondern der besondere Charme der Innenstadt mit ihren individuellen Angeboten. Um Trier als Einkaufsstadt zu stärken, sollte daher alles unternommen werden, die City attraktiv zu halten.

Globus-Markt Trier eröffnet frühestens in vier Jahren

Von Rainer Neubert

Beim IHK-Forum haben Befürworter und Gegner ihre Argumente ausgetauscht. Nun muss der Stadtrat entscheiden, wie es weitergeht.

Trier. Die saarländische Globus-Gruppe will einen SB-Markt mit 10 000 Quadratmetern Fläche in Trier eröffnen. Das sechs Hektar große Grundstück dafür im Gewerbegebiet Eurener Flur hat das Unternehmen bereits gekauft. Doch einfach bauen geht nicht, weil die derzeitige Rahmenplanungen von Stadt und Land das nicht erlauben. Aber wie gut oder schädlich ist ein Globus-Markt für Trier? Der Investor  und die vom Handelsverband Trier vertretenen Gegner haben in Gutachten ihre Positionen bestärkt. Bei der von TV-Chefredakteur Thomas Roth moderierten Podiumsdiskussion im Tagungszentrum der IHK Trier haben die wichtigen Akteure im Streit um das Projekt nun für ihre Argumente geworben.

Investor Stefan Ewerling vertritt als Expansionsleiter von Globus die Interessen des Investors. „Der Großraum Trier und der Markt Luxemburg sind für uns sehr interessant, zumal wir mit unserem Flagschiff SB-Markt hier noch nicht präsent sind“, macht der 57-Jährige klar. Das Grundstück in der Niederkircher Straße zu kaufen, bevor über eine Genehmigung des Markts entschieden ist, nennt er ein geringes Risiko. Zwar sei Globus mit der Planung noch ganz am Anfang, weshalb wenige konkrete Details zu dem Bauprojekt möglich seien. Mit Verweis auf Koblenz, wo Globus mit seinem stark Lebensmittel- und Lebensmittelhandwerk-orientierten Markt großen Wert auf ein regionales Sortiment legt, nennt er die Zahl von 350 Arbeits- und Ausbildungsplätzen, die auch in Trier geschaffen werden sollen. „Wir investieren rund 40 Millionen Euro und bieten die Chance, zusätzliche Umsätze in die Stadt zu bringen. Der Handel in der schützenswerten Altstadt wird nur in geringem Umfang betroffen sein.“

Die Frage von Moderator Thomas Roth nach möglichen Alternativstandorten, falls der Plan für Trier scheitere, beantwortet Stefan Ewerling knapp: „Wir haben keine Konzepte für die Innenstadt, für Luxemburg oder für einen SB-Markt in Wittlich. Ein Standort bei Kenn wäre die schlechtere Lösung.“ Nicht ausschließen will der Expansionsleiter auch einen anderen Standort im Umland von Trier.

Handel Nachdem der Handelsverband Trier am Vortag mit dem von ihm in Auftrag gegebenen Gutachten eine erhebliche Gefahr durch Globus besonders für die bestehenden Betriebe zwischen Trier-West-Pallien und Zewen aufgezeigt hatte (TV vom 22. Januar), vertritt Buchhändler und IHK-Handelsausschussvorsitzender Georg Stephanus am Dienstagabend die kritische Position zu dem Globus-Projekt. „Globus beschädigt Trier. Ich bin ein vehementer Befürworter einer lebendigen Innenstadt und gut verteilter Nebenstandorte in den Stadtteilen. Globus würde beide Bereich torpedieren. Denn 58 Millionen Euro Umsatz kommen nicht zusätzlich nach Trier. Die 10 000 Quadratmeter hätten eine vernichtende Wirkung auf Standorte in der Nähe und negative Auswirkungen auf der Tarforster Höhe.“

Diskussion im IHK-Tagungszentrum: Globus-Expansionsleiter Stefan Ewerling versucht Georg Stephanus (Vorsitzender IHK-Handelsausschuss) von den Vorteilen des Markts zu überzeugen. Manfred Schmitt (Obermeister Fleischerinnung) und Oberbürgermeister Wolfram Leibe verfolgen das Wortduell. Foto: Friedemann Vetter

Stephanus verweist auf den bereits hohen Druck durch den Internethandel für die Innenstadt. Mit Blick auf die geplante Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts Trier warnt er vor der Freigabe von Flächen am Rande der Stadt.

Handwerk Erklärter Globus-Gegner ist auch Manfred Schmitt, der als Obermeister der Fleischerinnung besonders Nachteile in dem umkämpften Fachkräftemarkt befürchtet. „Durch den horrenden Bedarf eines selbst produzierenden Handels wie Globus wird sich die Situation für die kleineren Betriebe drastisch verschlechtern.“ Schmitt befürchtet sogar Betriebsschließungen. Sein Appell an den Stadtrat Trier: „Wir haben auch Verantwortung für Menschen, die nicht mobil sind und zum Einkaufen fahren können. Wir sind dabei, die vorhandenen Strukturen nachhaltig zu zerstören. Das ist nicht Ihre Aufgabe.“

Verwaltung Oberbürgermeister Wolfram Leibe spricht ebenfalls von der Verantwortung des Stadtrats, der letztlich die Entscheidungen treffen müsse. Seine offene Einstellung zu dem Projekt verbirgt er nicht. Die Bauvoranfrage von Globus im Dezember sei der Beweis für die große Attraktivität der Stadt Trier als Oberzentrum für eine Region mit 800 000 Menschen. „Wir sprechen in Trier in jedem Jahr von 1,2 Milliarden Euro Umsatz im Einzelhandel, 600 000 Euro davon in der Innenstadt.“

Maßstab für die Bewertung des Globus-Markts sei das Einzelhandelskonzept 2015. „Auf dieser Basis prüft die SGD Nord die Möglichkeit für eine Zielabweichung. Das behördliche Verfahren, das zwei bis drei Jahre dauern wird, garantiert eine objektive Entscheidung“, argumentiert Leibe. Ziel der aktuell geplanten Überarbeitung des Einzelhandelskonzepts müsse es sein, die gesamte Stadt voranzubringen. „Die Innenstadt muss dabei weiterhin im Fokus stehen. Wir haben eine Steuerungsfunktion, aber keine Verhinderungsfunktion.“

Kehrtwende in der Einzelhandelspolitik zeichnet sich ab

Bislang waren großflächige Läden auf der grünen Wiese in Trier nicht gewünscht. Das soll sich nach dem Willen der Stadtverwaltung ändern. Der Stadtrat hat sich noch nicht mit dem Thema befasst.

Von Christiane Wolff

Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe, TV-Chefredakteur Thomas Roth und Stefan Ewerling (Globus) diskutieren. Foto: Friedemann Vetter

Trier. Das Trierer Einzelhandelskonzept ist ein Zahlenwust: Akribisch ist aufgelistet, in wie vielen Geschäften und auf wie viel Verkaufsfläche welche Waren angeboten werden. Spielwaren, Möbel, Lebensmittel oder Wäsche zum Beispiel. Auch die Umsätze der einzelnen Warengruppen werden festgehalten. Alle drei Jahre erfolgt eine Überprüfung. 2018 war es wieder soweit: Das Amt für Stadtentwicklung und Statistik hat die Daten zusammengetragen, mit der Vergangenheit verglichen – und Schlüsse daraus gezogen.

Wie sensibel diese Veränderungsvorschläge für die bisherige Einzelhandelspolitik sind, zeigt sich daran, dass der Konzeptentwurf – noch – streng geheim gehalten wird. Das Pressegespräch, bei dem der Leiter des Amts für Stadtentwicklung, Prof. Johannes Weinand, zwei Mitarbeiterinnen seines Amts, ein externer Experte, Oberbürgermeister Wolfram Leibe und der zuständige Dezernent Thomas Schmitt am Mittwoch die Expertise vorstellten, war als „Hintergrundgespräch“ deklariert. Und aus Hintergrundgesprächen dürfen Journalisten nicht berichten.

Der Konzeptentwurf werde in dieser Woche erst den Fraktionen sowie den mit dem Einzelhandel verbundenen Einrichtungen und Verbänden zugestellt. Damit keine Befindlichkeiten gestört werden, seien die Details erst am Montag zur Veröffentlichung freigegeben, argumentierte Oberbürgermeister Wolfram Leibe. Weil zumindest die wichtigsten Eckpunkte des Entwurfs allerdings ohnehin schon bei der Vorstellung des Globus-Gutachtens und des Gegengutachtens des Trierer Handelsverbands zur Sprache gekommen waren, hat die Stadt die Sperrfrist für diese Informationen aufgehoben:

Die Einzelhandelszentralität Triers ist in den vergangenen zwölf Jahren von 232 Punkten auf 188 Punkte gesunken. Das bedeutet, dass Kunden aus Trier und dem Umland deutlich weniger von dem Geld, das ihnen für Einkäufe zur Verfügung steht, in Trierer Geschäften ausgeben. Auf diese und weitere Erkenntnissen müsse ein „Strategiewechsel“ erfolgen, betonte Oberbürgermeister Leibe. Während im bis dato gültigen Trierer Einzelhandelskonzept die Ansiedlung von großflächigem Einzelhandel außerhalb der City nicht vorgesehen war, soll sich das im „Einzelhandelskonzept 2025+“ – das erst gültig wird, wenn der Stadtrat zustimmt – ändern. Die tatsächliche Ansiedlung solcher großflächigen Läden – dazu könnte beispielsweise der Sport-Discounter Decathlon gehören oder auch größere Reformartikelläden – werde allerdings weiterhin im Einzelfall geprüft, betonte Dezernent Schmitt.

Foto: TV/Schramm, Johannes

Bislang herrschte im Stadtrat der politische Wille vor, keinen großflächigen Einzelhandel vor den Toren der City anzusiedeln. Grundsätzlich hätten solche Betriebe aber auch bislang schon die Möglichkeit gehabt, Ausnahmegenehmigungen bei der für Raumplanung zuständigen Landesbehörde SGD Nord zu beantragen, betonte Oberbürgermeister Leibe. Mit der expliziten Erwähnung solcher Sonderstandorte – die zum Beispiel in der Eurener Flur umgesetzt werden könnten – im Einzelhandelskonzeptentwurf gebe die Stadt nun aber ein „Bekenntnis“ dazu ab, solche Ansiedlungen aktiv akquirieren zu wollen, erklärte Amtsleiter Weinand.

Weitere Berichterstattung in der Montagausgabe.

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