Golfen am Trierer Moselufer

Golfspieler können in Zukunft vielleicht erstmals in Trier üben. Private Investoren wollen beim Yachthafen Monaise eine sogenannte Driving Range anlegen. Der Bauausschuss des Stadtrats soll am heutigen Mittwoch einen Grundsatzbeschluss dazu fassen.

Trier. Wer im Umland von Trier Golf spielen will, hat dafür verschiedene Möglichkeiten. Der Golfclub Trier betreibt seine Anlage in Ensch (Verbandsgemeinde Speicher, siehe Extra). Bei Bitburg in der Eifel locken gleich mehrere Clubs, drei weitere in Luxemburg. In Tawern (Verbandsgemeinde Konz) will der Investor Antoine Feidt aus Luxemburg einen Neun-Loch-Golfplatz bauen, das Genehmigungsverfahren zieht sich jedoch hin (der TV berichtete).
Der Standort Trier: Ein Golfplatz im Stadtgebiet von Trier ist allein aus Platzgründen nicht möglich - oder doch? Der Bauausschuss tagt am heutigen Mittwoch um 17 Uhr im Konferenzraum Steipe im Rathaus. Auf der Tagesordnung der Sitzung steht im nichtöffentlichen Teil die "Einleitung eines Planverfahrens für eine Golfsportanlage".
Das Projekt: Des Rätsels Lösung heißt Driving Range. Auf dieser langen Bahn können Spieler möglichst weite Abschläge üben oder auch bestimmte markierte Ziele anvisieren. Dafür reicht eine Gesamtlänge von 270 Metern aus (Schlagweite 200 Meter). Ein kompletter Golfplatz umfasst hingegen 18 Löcher/Bahnen (oder in reduzierter Form neun Löcher) und benötigt eine entsprechend große Fläche.
Für Trier sind im ersten Schritt nur die Driving Range und eventuell einige Grüns geplant: Auf diesen kurz geschnittenen Rasenflächen können Golfer das Einlochen des Balls oder das Überwinden von Hindernissen wie Bunkern üben.
Schlosspark bleibt erhalten


Die Lage: Die Investoren des Trierer Projekts wollen noch nicht genannt werden, auch die Stadtverwaltung hält sich bedeckt. Nach TV-Informationen liegt die geplante Fläche auf der Gemarkung Euren an der Mosel. Das Gebiet in städtischem Eigentum ist bisher eine verwilderte Grünfläche mit Bäumen und Hecken, es müsste gerodet werden. Der Park von Schloss Monaise mit seinen alten Bäumen soll erhalten werden. Hinter dem Schlosspark soll die teilweise überdachte Abschlagsstelle liegen. Die Spieler schlagen die Bälle parallel zur Mosel.
Die Erweiterung: Kommt die Driving Range gut an, wollen die Investoren eventuell daneben noch einige Übungsbahnen (140 bis 170 Meter) bauen, auf denen gute Golfer nach wenigen Schlägen einlochen können. Dafür ist die städtische Fläche zwischen einem angrenzenden Wirtschaftsweg, dem Firmengelände von JTI und dem Bahngleis hinter dem Druckhaus des Trierischen Volksfreunds vorgesehen. Auch die Brachfläche vom Yachthafen zur Landseite hin könnte einer Erweiterung dienen. Ein Gastronomiegebäude wäre ebenfalls denkbar, aber nur außerhalb des Überschwemmungsgebiets der Mosel.
Die Sicherheit: Ein Sicherheitsproblem durch geschlagene Golfbälle gibt es aus Sicht der Planer nicht. Tatsächlich liegen viele Golfplätze an Wanderwegen oder Straßen.
Der Yachthafen: Bernhard Heimbach ist stellvertretender Vorsitzender der Segelabteilung des Post-Sportvereins Trier, die den Yachthafen Monaise im Auftrag der Stadt verwaltet. Der Hafen hat nur 100 Liegeplätze, die Abteilung aber 350 Mitglieder mit 120 Booten. Die Segler wünschen sich eine Erweiterung, auch für zusätzliche Gastliegeplätze. Auch das Winterlager für die Boote soll erweitert werden. "Wenn dafür bei der Planung eine Fläche berücksichtigt wird, haben wir nichts gegen eine Golfanlage", sagt Heimbach.
Im Flächennutzungsplan ist das Gebiet für Sportnutzung ausgewiesen. Falls sich der Bauausschuss für die Golfanlage ausspricht, wird ein Planverfahren mit umfassender Beteiligung von Bürgern und Behörden eingeleitet. Die Investoren wollen mit allen Anliegern über das Projekt sprechen. Eine Erweiterung des Winterlagers für Boote ist aus ihrer Sicht kein Problem.Meinung

Optisch sportliche Aufwertung
Einlochen lassen sich in Trier bisher nur Minigolfbälle. Der Plan, künftig ordentliche Schwünge an der Mosel üben zu lassen, klingt kühn, aber reizvoll. Optisch und sportlich wäre eine Golfanlage jedenfalls eine klare Aufwertung des brachliegenden Geländes. Zudem würden bei einer Verpachtung zu diesem Zweck keine baulichen Fakten geschaffen, die sich nicht rückgängig machen ließen (eventuell mit Ausnahme eines Gastronomiegebäudes). Ob es tatsächlich einen Bedarf für ein solches Übungsangebot ohne echten Golfplatz und Clubmitgliedschaft gibt, ist eine andere Frage. Das liegt aber im privaten Risiko der Investoren. Sollte der Rat zustimmen, müssen die Planer sich outen und eine Informationsoffensive starten. Es gibt noch viele Dinge zu klären, zum Beispiel die Erschließung mit Anfahrtsweg und Parkplätzen. Auch der Sicherheitsaspekt ist nicht zu vernachlässigen, denn Spaziergänger, Radfahrer und Reiter nutzen die Wege in der Umgebung gerne für Ausflüge. Käme die Golfanlage zustande, dann wäre den Investoren ein echter Coup gelungen. m.hormes@volksfreund.deExtra

Der 1977 gegründete Golfclub Trier hat mehr als 1000 Mitglieder. Zusätzlich nutzen jährlich 3500 Golfspieler die Anlage in Ensch. "Wir bieten dort eine professionelle Driving Range an, auf der auch Nichtmitglieder für ein paar Euro üben können", sagt Clubpräsident Wilfried Biewer. Auch die Clubs in Bitburg und Luxemburg verfügten über diese Möglichkeit. Es gebe daher keinen Bedarf für eine Anlage in Trier: "Das wäre wirtschaftlicher Unsinn." Zudem sei der Trainingseffekt erst dann optimal, wenn nach dem Üben auch das echte Golfspiel auf dem Platz folge. Zwar gebe es in manchen Großstädten Driving Ranges, um Fahrten ins Umland zu vermeiden, erklärt Biewer. Die Anlage in Esch sei jedoch über die A-1-Ausfahrt Föhren/Bekond schnell erreichbar. cus