Golfen ohne Golfplatz

KENN. Crossgolf ist sowohl Trendsportart als auch die ursprüngliche Form des Golfs. Gespielt werden kann überall, wo genug Platz ist, ob auf der grünen Wiese oder einer Industriebrache. In Trier greifen die Treverisgolfer zum Schläger.

Sorgfältig legt sich Dominik den Golfball zurecht und holt weit aus zum Abschlag. Einige Sekunden später und knapp hundert Meter weiter plumpst der Ball in den Kiesteich. Der Albtraum eines echten Golfers - für Dominik und seine Freunde ist es eine gelungene Aktion. Der Sport, den die "Treverisgolfer", fünf junge Leute zwischen 17 und 20 Jahren, betreiben, heißt Crossgolf. Alles, was man dafür braucht, sind Schläger, ein paar Bälle und eine Freifläche - Golfen ohne Golfplatz sozusagen. Die Idee dazu hatte Philipp Legendre vor zwei Jahren: "Mein Bruder hat Crossgolf in Schweden kennen gelernt, dort ist es viel weiter verbreitet als in Deutschland." Die Mitgliedschaft in Golfclubs sei dort noch kostspieliger als hierzulande, geeignete Plätze biete das dünn besiedelte Land dafür umso mehr.250 Jahre alter Trendsport

So ganz neu ist Crossgolf genau genommen nicht, sondern die Rückbesinnung auf die Anfänge der Sportart. Bevor 1754 in Schottland der erste Golfclub eröffnet wurde, spielten schon die Schafhirten auf den Wiesen und Weiden. Die Ansprüche an das Terrain sind nicht besonders hoch, das Gelände muss vor allem gut überschaubar sein und möglichst menschenleer. "Sicherheit geht vor", lautet nämlich der oberste Grundsatz der Crossgolfer. Kein Spaziergänger soll Angst haben, dass ihm Golfbälle um die Ohren fliegen. Als Ziel können beliebige markante Punkte in der Landschaft dienen, etwa ein Baum oder ein großer Stein. Der Ball muss also nicht ins Loch, sondern so nah wie möglich an den festgelegten Punkt gespielt werden - "bis auf etwa eine Schlägerlänge", erklärt Dominik Schuster. In und um Trier gibt es allerdings "zu viele Felder, Wälder und Berge", sagt Philipp Legendre. Optimal wäre dagegen eine nicht zu hohe Wiese oder eine Brachfläche. Am Kiesteich sind heute zu viele Passanten unterwegs, also wird aus der Not eine Tugend gemacht und der Ball einfach Richtung Wasser gedroschen, je weiter, umso besser. Dass die kleine weiße Kugel dabei unwiederbringlich versinkt, nehmen die Spieler gerne in Kauf. "Das sind keine Turnierbälle, die kosten nur 20 Cent pro Stück." Ein oder zwei Gruppen in jedem Bundesland

Auf einem richtigen Golfplatz haben weder Philipp noch die anderen jemals gespielt. Crossgolf sehen sie ohnehin nicht als bloßen Ersatz für "echtes" Golf, sondern lieben den eigenen Reiz dieser Sportart. "Besser und lustiger" finden sie es, die Herausforderungen des Geländes sorgten für Abwechslung und ließen mehr Raum für Kreativität. Obwohl Crossgolf in Deutschland bislang nur wenig bekannt ist, gibt es "zumindest in jedem Bundesland ein oder zwei Gruppen", weiß Philipp Legendre. Neue Mitspieler sind willkommen, "vor allem, wenn jemand noch gute Spielflächen kennt". Auch Turniere werden inzwischen ausgetragen, eine Einladung in die Schweiz mussten die Trierer aber wegen der hohen Fahrtkosten ablehnen. Und so schlagen die Treverisgolfer eben noch ein paar weitere Bälle in den Kiesteich. Intrinet-Velinkung: Treverisgolfer: http://www.treverisgolfer.de/ Crossgolf-Forum: http://www.crossgolfforum.de/ Sommer, Urlaub, freie Zeit: Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, einmal etwas Neues auszuprobieren. Der TV stellt in loser Folge ausgefallene Sportarten vor, die oft wenig bekannt sind, aber auch in der Region Trier zunehmend Anhänger finden.