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Geschichte: Grabinschriften bringen Licht ins Dunkel

Geschichte : Grabinschriften bringen Licht ins Dunkel

Ein Vortrag im Trierer Museum am Dom zeigt, was die frühchristlichen Fundstücke bei St. Maximin mit der Völkerwanderung zu tun haben. Dazu gehören spektakuläre Funde.

Die Stadt an der Mosel ist ein historisch bedeutender Ort. Bei fast jedem Erdauswurf werden neue archäologische Schätze geborgen, sei es aus der Römerzeit vor knapp 2000 Jahren oder aus dem Mittelalter. Ein weiteres Stück der Stadtgeschichte wurde nun im Museum am Dom von der Archäologin Hiltrud Merten vorgestellt. Es geht um die frühchristlichen Grabinschriften, welche bei St. Maximin gefunden wurden.

Die große Abteikirche in der Nähe des Trierer Hauptbahnhofs hat bis zur Säkularisierung vor etwa 200 Jahren eine mannigfaltige Geschichte vorzuweisen. „Besonders spannend sind die Spuren des Wandels, also der Übergang von der einen in die andere Epoche“, erklärt Hiltrud Merten den interessierten Besuchern der Veranstaltung. Die schiere Menge der Inschriften ist ein wahrer Schatz für die Wissenschaftler. „13 000 Grabinschriften konnten zumindest fragmentarisch entdeckt werden, und ihr Potenzial ist erstaunlich“, betont Merten.

Aufgrund dieser großen Menge stellt sie in ihrem Vortrag nur die besonders interessanten Fundstücke vor. Die vorgestellten Bestände stammen aus Grabungen von 1978 bis 1990, allerdings gab es auch bereits über 100 Jahre zuvor schon erste Funde um das Gebiet der Abteikirche.

Zum Ende der Römerzeit hin war die Basilika „domini maximini“ eine Bestattungsstätte für privilegierte Familien. Ab Mitte des vierten Jahrhunderts finden sich auch erste anonyme Aufrufe an Märtyrer auf den Grabinschriften. Einer der frühesten Funde aus dieser Zeit ist auch das Grab eines kleinen Mädchens, das nach Meinung der Wissenschaftlerin der Familie zum Namenstag des Kindes immer wieder als Versammlungsort diente.

Ein besonders spektakulärer Fund ist ein Grabstein aus Marmor, der ein halbes Jahrhundert später gesetzt wurde. Ein Junge namens Leo liegt dort begraben mit der Inschrift „Wir beten, dass ihm die Erde leicht sei“.

Doch dieser Grabspruch war bis dahin in Trier völlig fremd. An einem ganz anderen Ort, nämlich auf der iberischen Halbinsel, ist er dagegen eine bekannte Grabinschrift.

„Wir vermuten daher, dass Leos Familie von dort aus nach Trier emigriert ist“, stellt Hiltrud Merten ihre Schlussfolgerung dem Publikum vor. Der Marmorstein mit der Inschrift stammt vermutlich aus dem ausgehenden vierten oder beginnenden fünften Jahrhundert. Und es passt: Zu dieser Zeit fanden einige große Völkerwanderungen statt, die sich scheinbar bis zu den Grabinschriften nachvollziehen lassen.

Das früheste Zeugnis für die Verehrung des Maximin findet sich dann auf einem anderen Marmor verewigt. „Urania wurde hier dem Geist des Maximin übergeben“ ist auf Latein auf dem Stein zu lesen, dessen Bild Hiltrud Merten dem Publikum präsentiert.

Vom sechsten bis zum achten Jahrhundert nimmt dann die Zahl der Inschriften deutlich ab. Das Formular wird aber weiterhin verwendet, obwohl solche Inschriften ursprünglich eine römische Tradition darstellen. „Trier war damals eine Insel der Konservativen“, bemerkt die Wissenschaftlerin.

Allerdings änderten sich mit der Zeit die Namen der Verstorbenen. Von den früheren römischen Namen geht die Tendenz immer weiter zu germanischen Namen. Das sei ein klares Indiz für die Konvertierung der ursprünglich heimischen Bevölkerung zum Christentum und einer neuen Durchmischung.

Später tauchen auf den Grabinschriften immer häufiger neben den Namen auch die Ämter der Verstorbenen auf, denn St. Maximin war im Mittelalter eine bedeutende Abteikirche der Benediktiner. Außerdem wurde der Einfluss der Franken sichtbar, was sich durch teure Schmuckbeigaben bemerkbar machte.

Bis zur Säkularisierung im ausgehenden 18. Jahrhundert diente St. Maximin als Grabstätte für etliche Generationen. Die neuen Erkenntnisse über die Grabinschriften bringen nun Licht ins Dunkel dieser Geschichte.