Gräberfeld weicht einem Denkmal

Gräberfeld weicht einem Denkmal

Bis zu 15 000 Franzosen haben zeitweilig als Angehörige der Garnison in Trier gelebt. Einige, die hier gestorben sind, wurden auf dem Hauptfriedhof beigesetzt. Das dafür reservierte Gräberfeld wurde mittlerweile aufgelöst - und ist jetzt Platz eines Denkmals, das an die früheren Besatzer erinnert.

Trier. Zwei gelbliche Sandsteine, jeder etwa so groß wie ein Motorrad, liegen nebeneinander in einem Kiesbett. Den Meter zwischen ihnen überbrücken vier grobe Stahlseile, die aus ihren Flanken heraustreten.
Mit diesem Denkmal, das jetzt von Vertretern der Deutsch-Französischen Gesellschaft mit Gästen offiziell eingeweiht wurde, wird auf dem Trierer Hauptfriedhof an die militärischen und zivilen Angehörigen der französischen Besatzungstruppen erinnert, die hier begraben waren. Trier war zeitweise die zweitgrößte französische Garnison nach Paris: Bis zu 15 000 Militärs und zivile Beschäftigte lebten und arbeiteten an der Mosel - einige sind auch hier gestorben. Die, die nicht in die Heimat überführt wurden, fanden auf einem speziellen Areal des Trierer Hauptfriedhofs ihre letzte Ruhestätte: dem Carré Français.
Auf der nur knapp 230 Quadratmeter großen Fläche nahe dem Haupteingang wurden zwischen 140 und 300 Menschen bestattet, sagte Claudine Cornelius im Rahmen einer kleinen Feierstunde. Genauere Zahlen gebe die Aktenlage nicht her, sagte die ehemalige Trierer Stadträtin, die in Vertretung ihres erkrankten Mannes Hans-Jürgen sprach, des ehemaligen Vorsitzenden der Deutsch-Französischen Gesellschaft.
Nach Abzug der letzten zwei Regimenter 1999 sei der Friedhofsbereich nicht mehr genutzt worden und zusehends verfallen. Die Stadt habe sich weder zuständig noch finanziell in der Lage gesehen, auf Dauer mehr als Sicherungsmaßnahmen zu leisten. Zwar habe der letzte kommandierende General der französischen Streitkräfte in Deutschland jedem deutschen Friedhof mit französischen Gräbern jährlich 5000 Francs (rund 760 Euro) in Aussicht gestellt - doch weder jahrelange Briefwechsel mit diplomatischen Vertretungen noch Besuche und Ortsbesichtigungen hätten das Geld tatsächlich zum Fließen gebracht.
So sei die Deutsch-Französische Gesellschaft schließlich auf den Plan getreten, um das überwucherte Areal vor dem völligen Verfall zu retten. Ein Konzept wurde nicht nur in Abstimmung mit der Stadtspitze, dem Grünflächenamt und der Friedhofsleitung erstellt: Am Trierer Humboldt-Gymnasium (HGT), wo auch der französische Abschluss Baccalauréat erreicht werden kann, engagierten sich zwei Leistungskurse: Der eine forschte zum historischen Hintergrund, der andere kam über einen Ideenwettbewerb zum künstlerischen Konzept.
Unter Mithilfe des Bildhauers und Wahltrierers Guy Charlier wurde schließlich die Idee von Anna Heib umgesetzt: Ein Jaumont-Stein, aus dem etwa auch die Kathedrale von Metz besteht, wurde mit einem Eifeler Sandstein kombiniert und durch Stahlseile in verschiedenen Stärken und Längen verbunden. "Sie stehen stellvertretend für die vielfältigen Beziehungen unserer Länder, die auch nicht alle einheitlich sind", erklärte Claudine Cornelius.
Bei der Zeremonie waren unter den weiteren Teilnehmern nicht nur der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe, sondern auch Liliane und Christiane Coulais: Die Schwestern hatten sich mit einer weiteren Familie lange um die letzten Gräber gekümmert, jetzt stellten sie die Grableuchte ihres Vaters André zu den Steinen.
Guy Lesueur hielt als hochdekorierter Veteran die Flagge der französischen Kriegsgräber-Fürsorge "Souvenir Français", während ein HGT-Schüler "Ich hatt einen Kameraden" auf der Trompete spielte.