Graue Wolken über leeren Schwimmbecken
Schweich/Mertesdorf/Kordel · Kühles und verregnetes Wetter bremst seit Juni sämtliche Aktivitäten, die den Sommer sonst zur "schönsten Jahreszeit" machen. Nicht nur die Terrassengastronomie leidet. Auch den Freibädern in der Region drohen durch die nasskalte Witterung herbe Einbußen. Die Zwischenbilanz seit Öffnung der Bäder fällt katastrophal aus.
Schweich/Mertesdorf/Kordel. Die Sommersaison 2011 begann verheißungsvoll mit einem frühen und heißen Auftakt im Mai, doch bald folgte im wörtlichen Sinne eine kalte Dusche. Inzwischen wird der Sommer für Sonnenhungrige mehr und mehr zur Enttäuschung. Die Kennzeichen dieser "warmen Jahreszeit" sind aufeinander folgende Tiefdruckgebiete mit viel Regen und Temperaturen, die meistens unterhalb der 20-Grad-Marke pendeln. Wer unter diesen Bedingungen noch ins Freibad geht, zählt zum harten Kern, der die Sache rein sportlich betrachtet. Schwimmmeister Dietmar Theis vom Freibad in Mertesdorf bezeichnet diese Gruppe als "unsere Stammkunden, die während der Saison bei jedem Wetter kommen". Allerdings interessierten sich diese Allwetterschwimmer nicht für Liegewiese, Sonnencreme und Fruchteis. Theis: "Die kommen, steigen direkt ins geheizte Becken, drehen ihre feste Anzahl an Bahnen und sind dann wieder weg." Doch auf Jugendliche und Familien, für die das Bad auch ein kommunikativer Ort mit Wasser und Liegewiese sei, übe die Anlage derzeit keinerlei Anziehungskraft aus. Ganze 150 bis 160 Stammkunden zählt der Mertesdorfer täglich. Ähnliche Zahlen werden aus Schweich, Leiwen oder Kordel gemeldet.
Hat dieser "grün lackierte Winter" weiter Bestand, droht den Freibädern eine katastrophale Bilanz 2011. Dies zeichnet sich schon in der Halbzeit der diesjährigen Saison ab: Wolfgang Deutsch von der Verbandsgemeinde (VG) Schweich verdeutlicht dies mit Haushaltszahlen. Für das Erlebnisbad Schweich und das Panaoramabad Leiwen seien im Haushaltsplan 2011 Einnahmen von insgesamt 155 000 Euro einkalkuliert gewesen. Diese Summe habe auf den Erfahrungswerten der Vorjahre beruht. Deutsch: "Seit der Öffnung der Bäder Anfang Mai sind aber bisher nur rund 56 000 Euro hereingekommen." Selbst ein Spitzenwetter im August würde nicht mehr reichen, um dies wieder wettzumachen.
Dies verdeutlichen auch die Besucherzahlen beider Bäder: Im Erlebnisbad Schweich wurden von Ende Mai bis 24. Juli rund 25 700 Besucher gezählt. Im gleichen Vorjahreszeitraum waren es rund 52 0000 Badegäste. Das Panoramabad Leiwen besuchten von Ende Mai bis 24. Juli rund 13 000 Badegäste - rund 30 000 waren es im gleichen Vorjahreszeitraum. Ähnlich ist die Situation im Mertesdorfer Freibad, das im Zweckverband von der VG Ruwer (zwei Drittel) und der Stadt Trier (ein Drittel) betrieben wird. Vom 1. Mai bis 25. Juli wurden rund 25 000 Besucher gezählt. Im Vorjahr kamen von Mai bis Ende Juni rund 39 000 Besucher. Im heißen Juli 2010 waren es nochmals rund 27 000 Besucher. Insgesamt wurden im Vorjahreszeitraum also rund 66 000 Gäste gezählt.
Das traurige Schlusslicht bildet in diesem Jahr das Kylltalbad in Kordel. Die von der VG Trier-Land betriebene Anlage war im vergangenen Jahr komplett saniert worden. Nach ihrer Wiedereröffnung am 7. Juli stürmten schon in den ersten vier Wochen 13 000 Besucher das Bad. Anders in diesem Jahr: Vom 4. Juni bis 26. Juli kamen rund 8600 Besucher. Auch in Kordel dürfte eine eher unwahrscheinliche Rückkehr des Sommers im August die Verluste nicht mehr wettmachen. Auch in den Freibädern der Nachbarkommunen sieht es trist aus. In Saarburg kamen seit Mitte Mai 21 000 Besucher, im Vorjahr waren es doppelt so viele. Das Freibad Hermeskeil zählte bislang 13 000 Besucher, normal wären in diesem Zeitraum 21 000. In Kell am See sind wegen Bauarbeiten nur Nichtschwimmer- und Kinderbecken geöffnet, daher nur weniger Besucher. In Konz ist das Freibad geschlossen, weil es neu gebaut werden soll. Auch den Trierer Bädern fehlen die Gäste. Im Nordbad, das schon seit dem 30. April geöffnet hat und die Frühschwimmer wochentags ab 6 Uhr am Morgen mit einer konstanten Wassertemperatur von 24 Grad beglückt, sind bis Montag, 25. Juli, rund 30 860 Besucher registriert worden. Im vorigen Jahr waren es im gleichen Zeitraum 38 661. Ein moderater Rückgang, verglichen mit den dramatischen Zahlen des Südbads: Seit der Öffnung am 15. Mai kamen 29 114 Besucher. Im Vorjahr waren es bis zum 25. Juli rund 93 400. Die Wassertemperatur im Schwimmerbecken des komplett sanierten Bads liegt zurzeit nur bei 19 bis 20 Grad - im Unterschied zum Nordbad, wo das Wasser per Gasheizung gewärmt wird, sind die Schwimmer im Südbad auf eine Solaranlage angewiesen, die bei den derzeitigen Außentemperaturen an ihre Grenzen stößt. f.k.