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Großbaustelle mit eigenem Autobahnanschluss

Großbaustelle mit eigenem Autobahnanschluss

Beim Bau des geplanten Pump speicherkraftwerks sollen die Anlieger so wenig wie möglich belästigt werden. Dazu planen die Trierer Stadtwerke eine "in sich abgeschlossene" Baustelle auf dem Berg mit unmittelbarem Anschluss an die nahe A 1 Koblenz-Trier. Diese Verkehrsanbindung gilt als wichtiger Standortfaktor für das gesamte Projekt.

Longen/Ensch. Mit einem gigantischen Projekt wollen die Stadtwerke Trier (SWT) die in der Region erzeugte erneuerbare Energie in verbrauchsarmen Zeiten speichern, um sie in Zeiten des Spitzenbedarfs wieder ins Netz einspeisen zu können. Das Ganze soll in einer "abgeschlossenen Baustelle" mit Autobahnanschluss verwirklicht werden, ohne die Anrainer zu belästigen.

Als Lösung wurde jüngst ein Pumpspeicherkraftwerk auf der Höhe über der Mosel im Dreieck Schweich, Longen und Ensch präsentiert (TV vom 14. April). Vorgesehen ist dort der Bau zweier Wasserspeicherbecken mit jeweils 20 bis 30 Hektar Fläche und einer Aufnahmekapazität von zusammen sechs Millionen Kubikmetern Wasser. Geschätzte Kosten: rund 400 Millionen Euro. Die beiden Wasserspeicher werden mit einem unterirdischen Druckstollen verbunden. Ein Höhenunterschied von 200 Metern zwischen dem Oberbecken bei Longen und dem Unterbecken bei Ensch sorgt bei Spitzenbedarf für das entsprechende Gefälle zum Antrieb von Wasserturbinen. Wird mehr Solar- und Windstrom erzeugt als gerade benötigt wird, kann damit das Wasser vom unteren Becken zurück in den oberen Speichersee gepumpt und dort als Energievorrat "eingelagert" werden. Dieser deckt den Strombedarf von rund 500 000 Menschen.

Kavernen wie in Vianden



Die Turbinen- und Pumpanlagen werden wie im Pumpspeicherwerk Vianden (Luxemburg) unter den Speicherbecken in 300 Meter tief gelegenen Kavernen installiert. Der Eingangsstollen zu den Anlagen ist in Richtung A 1/Leinenhof bei Schweich geplant. Vom Stollenausgang soll eine Zufahrtsstraße zum nahen Autobahnanschluss Schweich führen und dort über einen neuen Kreisel mit A 1 und L 141 verknüpft werden (siehe Grafik oben). Nach Angaben von SWT-Bereichsleiter Rudolf Schöller, der das Projekt betreut, war intern seit rund einem Jahr an der Idee gearbeitet worden. Die Suche nach einem geeigneten Standort habe wegen einer Reihe von Vorteilen auf die Höhe über der Mosel geführt.

Standort mit vielen Vorteilen



Dazu zählten ein mindestens 400 Meter hoher Berg, die nahe Mosel zum Befüllen der Becken und zum späteren Verdunstungsausgleich sowie die dort vorbeilaufende 380-Kilovolt-Fernleitung, durch die sich der Bau neuer Stromtrassen erübrige. Ein weiterer Standortfaktor: Die Baustelle und das spätere Kraftwerk können unmittelbar an die A 1 angeschlossen werden.

Schöller: "So lassen sich während der mehrjährigen Bauphase schwere Beeinträchtigungen der Anrainerorte vermeiden." Tausende Tonnen Aushub aus den Untertagebaustellen für die Stollen und Kavernen könnten unmittelbar im Baustellenbereich wieder für die Dammkronen der Becken verwendet werden. Das andere Baumaterial werde direkt über die A 1 herantransportiert. Schöller: "Das wird eine in sich geschlossene Baustelle. Kein Schwertransport und kein Baustellenlaster muss die umliegenden Orte durchfahren."

EXTRA ZEITPLAN UND FINANZIERUNG



Ein Ingenieurbüro ist derzeit mit Vorstudien beauftragt, die Ende Mai erwartet werden. Nach Planungs- und Genehmigungsverfahren könnte mit dem Bau 2012 begonnen werden. Als reine Bauzeit werden drei bis vier Jahre für möglich gehalten. Realistischer seien nach Meinung der Stadtwerke aber fünf bis sechs Jahre. Zur Finanzierung und zum späteren Betrieb sollen möglichst viele Partner mit ins Boot geholt werden. Gedacht ist an eine Beteiligung von Gemeinden und Städten - aber auch von Privatpersonen. f.k.