Bauland: Große Baugebiete rund um Trier sind ein rares Gut

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Nach der Entscheidung des Stadtrats Trier gegen ein neues Baugebiet bei Mariahof richten sich die Blicke vieler Bauwilliger stärker in das direkte Umland von Trier. Dort sind in den vergangenen Jahren zahlreiche Flächen entwickelt worden. Der TV hat nachgefragt, wie die Lage in den Umlandgemeinden ist und ob dort größere Flächen bebaut werden können.

In Trier gehen Baugrundstücke weg wie warme Semmeln. Auf die letzten vier freien Areale im Baugebiet BU 14 „Ober der Herrnwiese“ in Filsch haben sich mehr als 80 Interessenten gemeldet (der TV berichtete). Als vorerst letzte große Baulandfläche sollen insgesamt 42 Hektar im Bereich Castelnau Mattheis ausgewiesen werden. Was danach kommt, ist offen.

Das ursprünglich ins Auge gefasste Gebiet unweit des Brubacher Hofs hat der Stadtrat Trier jüngst abgelehnt. Als Alternativen gehandelt werden die Gebiete Langenberg zwischen den Stadtteilen Euren und Zewen sowie Zentenbüsch bei Ruwer. Doch die Sache hat Haken. Bereits 2016 hat der Verbandsgemeinderat Schweich klargestellt, dass keine Anbindung des Baugebiets bei Ruwer über die Kenner Gemarkung gewollt ist. Und die Fläche Langenberg ist im Flächennutzungsplan bisher nicht als mögliches Bauland ausgewiesen.

Jenseits der Stadtgrenzen wurde in den vergangenen Jahrzehnten viel Bauland ausgewiesen. Seit den 1960ern sind beispielsweise in Konz-Roscheid, in Trierweiler und in Gusterath große Neubaugebiete entstanden. Im relativ jungen Gebiet Ermesgraben in Schweich (340 Baustellen) sind noch etliche nicht bebaut, allerdings auch nicht auf dem Markt verfügbar. Dort werden Quadratmeterpreise verlangt, die über dem Niveau in Trier liegen. Doch die Zeiten der ganz großen neuen Gebiete scheinen sich dem Ende zuzuneigen. In der Verbandsgemeinde (VG) Schweich gibt es nur noch etwa 40 bis 50 gemeindeeigene Grundstücke. Derzeit macht die VG eine Erhebung von freien Baustellen. Einige Gemeinden planten zusätzliche Wohngebiete, sagt Büroleiter Wolfgang Deutsch.

Auch Christiane Horsch, Bürgermeisterin der VG Schweich, rechnet mit einer weiteren starken Nachfrage nach Bauland. „Wir wachsen wie wild, jedes Bauland ist direkt voll.” Das Problem der Stadt Trier, größere Baugebiete auszuweisen (siehe Brubacher Hof), sieht sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Einerseits freuen wir uns über den Zuzug in der VG Schweich, andererseits müssen wir die dadurch erforderliche Infrastruktur in Kitas, Schulen und beim Verkehr sicherstellen.”

Insbesondere für die vielen Trier-Pendler aus dem Umland müssten Verbesserungen her, etwa beim ÖPNV, bei der Schaffung von Park-und-Ride-Plätzen und bei der Realisierung des geplanten Fahrrad-Schnellwegs von Schweich bis Konz. Hier sieht Horsch insbesondere auch die Stadt Trier in der Pflicht, tätig zu werden.

 Neu erschlossenes Bauland in der Verbandsgemeinde Konz hat sich in den vergangenen Jahren sehr gut verkauft. Die 110 Grundstücke in Nittel (Baugebiet Wiesengraben) an der luxemburgischen Grenze sowie die 88 in Konz-Könen (Baugebiet Pferdsgarten) gingen sehr schnell weg. Bei den 40 gemeindeeigenen Flächen hat der Ortsgemeinderat Nittel sogar künstlich das Angebot verknappt, indem dort per Beschluss 2017 und 2018 jeweils nur drei Grundstücke verkauft wurden. Michael Naunheim, Pressesprecher der Konzer Verwaltung, sagt: „Aktuell gibt es dort noch fünf Baugrundstücke. In diesem Jahr werden in Kürze wieder zwei Baustellen veräußert.“ Ähnlich sei es in Pellingen und Könen.

Die VG Konz habe aber auch noch Potenzialflächen, sagt Naunheim. So gebe es laufenden Planungsverfahren in Oberemmel (30 Baugrundstücke), Oberbillig (etwa 23) und Pellingen (etwa 40). Naunheim: „Auch in anderen Ortsgemeinden und Stadtteilen gibt es noch potenzielle Baugebiete, die in Vorbereitung sind.“ Die Grundstückspreise variierten in der VG stark. So kostete der Quadratmeter gemeindeeigener Grundstücke in Nittel zwischen 210 und 260 Euro und in Könen zwischen 175 und 195 Euro. Die Gremien fällten die Beschlüsse zu den Preisen aufgrund von Verkehrswertgutachten und Bodenrichtwerten (siehe Info), sagt Naunheim.

Der Konzer Bürgermeister Joachim Weber sagt zur Thematik: „Die Erschließung weiterer Bauflächen gehört zu unseren dringlichen Projekten und wird weiterhin vorangetrieben.“ Neubaugebiete würden „Schritt für Schritt sinnvoll und flächenschonend entwickelt“, betont er. „Die Entscheidung zum Brubacher Hof ist eine Sache des Trierer Stadtrates und wird von uns nicht kommentiert.“

Michael Holstein, Bürgermeister der VG Trier-Land, sagt, dass neben der Nähe zu Trier auch die zu Luxemburg bei der Bevölkerungsentwicklung eine wichtige Rolle spielt. Er wünscht sich, dass sich Vertreter der Stadt Trier und der sie umgebenden Verbandsgemeinden an einen Tisch setzen, um über das Thema Bauland zu sprechen. Denn das sei ein übergreifendes Thema.

Was neue Baugebiete betrifft, verweist er auf die Vorgabe des Landesentwicklungsplans. Und die heißt „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“. Die großflächige Ausweisung von neuem Bauland sei nicht mehr so leicht umzusetzen wie noch vor einigen Jahren. Deshalb seien jenseits eines privaten Projekts in Zemmer und einiger anderer kleiner Flächen keine großen Baugebiete in Planung.

Für die Ortsgemeinde Trierweiler stellt Ortsbürgermeister Dieter Müller fest: Man sei bemüht, „dem Bedarf an Baustellen, der aus der Trierweiler Bevölkerung kommt, zu entsprechen und versucht mittelfristig umweltverträglich Baugebiete zu entwickeln.“ Mit neuen Flächen „soll auch vermieden werden, dass junge Familien aus der Ortsgemeinde abwandern müssen“.  Laut Müller müsse jedoch vermieden werden, dass große Baugebiete die  bestehende Infrastruktur überfordern. Es gebe ständig Anfragen bezüglich neuer Baustellen.

Für die VG Ruwer sagt Bürgermeisterin Stephanie Nickels, dass ungeachtet der Entwicklung in Trier Bauland in ihrer Verbandsgemeinde stark nachgefragt ist. Der Flächennutzungsplan biete den Gemeinden Planungspotenzial von rund 230 Baustellen. Darüber hinaus würden derzeit weitere rund 13 Hektar in mehreren Teilgebieten ausgewiesen. „Unsere Planungen erfolgen bedarfsorientiert und unter Beachtung der Ziele und Schwerpunkte der Regionalen Raumordnungsplanung“, sagt Nickels.

Ausschnitt der Bodenwertkarte mit dem Gebiet am Trierer Hauptmarkt. Foto: TV/Harald Jansen

Gusterath war und ist ein beliebter Ort für Hausbauer und -Käufer. Ortsbürgermeister Stefan Metzdorf berichtet davon, dass ihn ständig Nachfragen nach Bauplätzen erreichen. Große Flächen wie noch vor Jahren gebe es nicht mehr. Inzwischen sei es so, dass zunehmend mehr Bestandsimmobilien von Familien mit Kindern übernommen werden. Häuser blieben nicht lange ohne neue Besitzer.  „Nach der Entscheidung in Trier wird das sicher noch mehr werden“, sagt Stefan Metzdorf.

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