Große Gefühle und derbe Späße auf der Bühne

Große Gefühle und derbe Späße auf der Bühne

Zwei Stunden lang haben vier Solisten und ein Tanzensemble in der Europahalle ausgewählte Titel aus der Musicalszene präsentiert. Das Publikum wollte am Ende noch mehr Schmuseballaden und rockige Stücke hören.

Trier. Carolin Schultheiss (25) aus Wiltingen bei Konz nimmt mit ihrer Mutter und Schwester in der dritten Reihe der Europahalle Platz. Zu Ostern lösen die Frauen das Weihnachtsgeschenk "Karten für die Nacht der Musicals" ein. So wie einige der 600 Zuschauer in der Europahalle.
Und so wie alle freuen sie sich auf das, was sie erwartet: Mit "Fühl die Nacht" aus Tanz der Vampire eröffnet das Ensemble den zweistündigen Abend - ein Querschnitt durch die Welt der Musicals. Ein Klassiker reiht sich an den nächsten: Die berührende Ballade "Don\'t cry for me, Argentina" aus Evita wird ebenso gesungen wie "Memories" aus Cats oder Abba-Hits aus Mamma Mia.
Wer mit Gesang und schwungvollen Tanzdarbietungen zufrieden ist, der ist an diesem Abend gut aufhoben. Wer allerdings auf mitreißende Bühnenbilder gehofft hat, wird enttäuscht: Auf zwei mickrigen Leinwänden werden Fotos und Videos zu den jeweiligen Stücken gezeigt. Die Nebelmaschine arbeitet vom ersten Ton an auf Höchststufe.
Ständchen für Tontechniker


Das Spiel mit dem Scheinwerferlicht unterstreicht die Darbietungen ebenso wie die Kostüme, die im Minutentakt hinter den Kulissen gewechselt werden müssen. Und immer wieder bezieht das Ensemble das Publikum mit ein: Mal werden die Zuhörer zum Chor bei einem Geburtstagsständchen für den Tontechniker, mal tanzen sie stehend mit.
In Wallung bringt Robert Meyer als Transvestit Frank N. Furter (Rocky Horror Picture Show) das Publikum. Mit sexy Wimpernschlag, gekleidet im knallengen schwarzen Mieder und hochhackigen Schuhen, stöckelt er zum Publikum und sucht in der ersten Reihe einen gutaussehenden Spielgefährten zum Küssen und Flirten. Mit Sprüchen wie "Ich hoffe, du heißt Erich, vorne er, hinten ich", punktete Frank beim Publikum, bevor die Darsteller auf der Bühne rocken.
"Einfach toll", schwärmt eine ältere Dame. "Sie geben sich viel Mühe", sagt Thomas Bach (35) aus Trier. Er sei verwundert über das "auffällig ältere Publikum". Seine Frau Anja findet die Auswahl der Stücke gut: "Es ist ein guter Mix aus älteren und neueren Musicals wie Rock me Amadeus", meint die 35-Jährige.
Aber es gibt auch kritische Stimmen: "Die äußeren Sitze könnte man sich sparen", meckert ein Mann, der keinen optimalen Blick auf die Bühne hat. Die Nacht der Musicals endet mit der Zugabe "The Show must go on". Eine Fortsetzung hätten sich viele Zuhörer gewünscht. kat

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