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Große Kontrolle am Messepark in Trier - Polizei hat Tuner und Poser im Visier​

Aufgemotzt : Große Kontrolle am Messepark Trier - Polizei hat Tuner und Poser im Visier

Die Polizei hat am Dienstagnachmittag im großen Stil in Trier mutmaßlich getunte Autos aus dem Verkehr gezogen. Wie das abgelaufen ist und wie die Eigentümer reagiert haben.

Etwa 40 Beamte treffen sich um 14.30 Uhr am Trierer Messepark zur Verkehrskontrolle. Nach einer kurzen Einsatzbesprechung ruft der Einsatzleiter: „Dann satteln wir die Pferde und starten.“ Ein Teil der Beamten setzt sich auf Motorräder und in Streifenwagen. Die „fliegenden Teams“, wie Polizeisprecher Marc Fleischmann die Streifen nennt, schwirren aus, um im Stadtgebiet Ausschau nach verdächtigen Fahrzeugen zu halten und diese zum Parkplatz an den Moselauen zu geleiten. Den nutzt die Polizei nicht nur, weil er als Treffpunkt der Poser- und Tunerszene gilt, sondern auch, weil genug Platz für intensive Kontrollen vorhanden ist.

Polizei kontrolliert Tuner und Poser am Messepark Trier

Schon nach wenigen Minuten trifft das erste Fahrzeug ohne Begleitung der Polizei zufällig auf dem Parkplatz ein: ein Ford Fiesta mit Aufkleber vom Nürburgring auf der Seite. Der Wagen ist definitiv getunt: tiefer gelegt, weiße Alufelgen, Blenden an den Blinkern, Folierung an den Scheiben, auffällige Spoilerlippen unter der Stoßstange vorne und eine Blende hinten. Das Fahrzeug entspricht auch für den Laien dem Klischee eines getunten Kleinwagens.

Der Fahrer des Autos mit 150 PS ist sich aber sicher, dass er unbehelligt weiterfahren darf. „Ich fahre gerne zum Nürburgring und drehe dort meine Runden auf der Nordschleife“, sagt er. „Ich bin ein Tuner und habe das alles eingetragen für die Straße – so wie es sein muss.“ In die Kontrolle ist der junge Mann aus dem Hochwald auf dem Weg von der Arbeit im Eurener Gewerbegebiet nach Hause geraten. Eigentlich wollte er auf dem Parkplatz schauen, ob er Kumpels aus der Szene trifft. Dann sei er auf die Polizei gestoßen.

„Ich werde jede Woche kontrolliert“ - Tuner will Freunde vor Polizeikontrolle warnen

Die Kontrolle erträgt er stoisch. „Ich werde jede Woche kontrolliert“, sagt er. Das dauere dann schon mal eine Stunde. „Vergeudete Zeit“ aus Sicht des Fahrers. Deshalb werde er auch seine Freunde vor der Kontrolle warnen, sagt er. Die Beamten – darunter auch Polizisten, die zu Ausbildungszwecken dabei sind – schauen sich sein Fahrzeug ganz genau an. Dafür brauchen sie rund eine Stunde. Später gibt es einen Mängelbericht, weil Kabel für eine aus Sicht der Polizei nicht zugelassene Lichtanlage im Motorraum herum baumeln. Der Fahrer entfernt sie vor Ort und darf danach ohne weitere Konsequenzen weiterfahren.

Er ist nur der erste von dutzenden Fahrzeugen, welche die Polizisten an diesem Tag im Messepark kontrollieren. In der ersten Stunde kommen etwa zwölf an, darunter nur zwei ganz ohne Mängel. Gegen die anderen Fahrer werden Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.

Unter den Kontrollierten ist auch eine 22-jährige Triererin, die mit einem Dreier-BMW unterwegs ist. „Ich war noch nie in einer Kontrolle“, sagt die junge Frau. Sie habe nichts mit der Tuningszene zu tun, sagt sie. Der Wagen sei von ihrem Freund. Der habe auch nichts mehr mit der Szene am Hut. Nun sei etwas mit den Lampen nicht in Ordnung.

Schräg gegenüber kontrollieren die Beamten einen Niederländer mit einem AMG Mercedes. Die Folierung auf den Heckscheinwerfern ist regelwidrig. Der Mittfünfziger bekommt einer Verwarnung. Den BMW eines Busfahrers kontrollieren die Beamten ebenfalls. Zum TV sagt der Mann auf die Frage, ob er ein Tuner oder Poser sei: „Mit 56 tunt man nicht mehr so viel.“

Polizist Michael Herteux kennt sich mit der Szene bestens aus. „Beim reinen Tuning ist das eher ein jüngeres Publikum“, sagt er. „Auffällig fahren aber auch viele, die ihre Midlife-Crisis ausleben.“ Bei den Kontrollen, bei denen er dabei gewesen ist, habe er schon viel gesehen. Einmal beispielsweise ein Fahrzeug, an dem die Räder schief standen. Die Reifen hätten an den Kotflügeln geschliffen, das Drahtgestell aus dem Gummi herausgeragt. Der Fahrer habe behauptet, dass er das hobbymäßig ausprobiert habe, erzählt Herteux. Der Gefahr sei er sich nicht bewusst gewesen. In Sachen Tunen sei das ein Anfänger gewesen. Das Fahrzeug sei aus dem Verkehr gezogen worden.

Tuner- und Poser-Kontrolle: Nur zwei Autos ohne Beanstandung

Herteux betont, dass falsch getunte Fahrzeuge nicht nur für den Fahrer, sondern besonders für schwächere Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger, Radfahrer und besonders für Kinder zur Gefahr werden könnten. Genau deshalb droht bei Verstößen neben einem Bußgeld und Punkten in Flensburg auch das Erlöschen der Betriebserlaubnis.

Große Kontrolle am Messepark in Trier - Polizei hat Tuner und Poser im Visier​
Foto: TV/Christian Kremer

Das wäre möglicherweise auch bei dem Mitsubishi Lancer am Dienstag der Fall gewesen. Als die Beamten den Motor des Fahrzeugs aufheulen lassen, zischt es danach laut. „Das ist ein Blow-Off-Ventil“, sagt Polizeisprecher Fleischmann. Das Ventil wird zusätzlich zum Turbolader eingebaut in einen Motor. Der Turbolader steigert die Leistung, das Ventil lässt überflüssigen Druck ab und schont so das Material. In Deutschland ist der Einbau verboten, der Wagen würde hier aus dem Verkehr gezogen. Für den Luxemburger spielt das jedoch keine Rolle. Bei ihm hat die deutsche Polizei keine Handhabe. Er darf weiterfahren.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Polizei kontrolliert getunte Fahrzeuge in den Trierer Moselauen