Große Skepsis: Reichen zehn Wochen Vollsperrung?

Große Skepsis: Reichen zehn Wochen Vollsperrung?

Skepsis war die vorherrschende Reaktion beim Infoabend zum bevorstehenden Ausbau der Bitburger Straße (B 51) in Trier. Zweifel, ob der enge Zeitplan - insbesondere der zehnwöchigen Vollsperrung im Sommer - eingehalten werden kann, vermochten die Vertreter der Stadtverwaltung nicht komplett zu zerstreuen.

Trier. Würde jetzt schon gebaut, dann hätten viele der rund 150 Teilnehmer des städtischen Info-Abends einen weiten Weg zum Veranstaltungsort, der Cafeteria der Fachhochschule (FH) Trier, zurücklegen müssen: aus der Stadt per Auto "hinten herum" über die A 602, die Ehranger Brücke, die A 64 und dann die Bitburger hinunter bis Schneidershof. Und anschließend auf dem selben Weg zurück.
Dieser Umweg wird im Sommer 2012 zehn Wochen lang die Regel sein. Vom 4. Juni bis einschließlich 12. August ist die Bitburger auf dem 750 Meter langen Abschnitt zwischen FH und Kaiser-Wilhelm-Brücke wegen Ausbau- und Sanierungsarbeiten für Kraftfahrzeuge komplett gesperrt. Der große Bogen über Ehrang ist die einzige offizielle Umleitung (der TV berichtete). Zeitpuffer für die Bauarbeiten: Fehlanzeige! Ob das gut gehen kann?
"Wir versuchen alles in unserer Macht Stehende", versicherten Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani sowie Mitarbeiter von Rathaus und Stadtwerken am Mittwochabend unisono und immer wieder. Die skeptischen Blicke im Publikum blieben.
Die Bauarbeiten starten bereits am 7. Mai und sollen sich bis zum Adventsbeginn hinziehen. In der Anfangs- und Schlussphase würden die Verkehrsbehinderungen deutlich geringfügiger ausfallen, hieß es. Die Vollsperrungszeit aber hat es in sich, zumal dann auch die Stadtwerke voll einsteigen und parallel zu Straßenbau und Sanierung von Napoleonbrücke und Stützwänden umfangreich an Versorgungs- und Fernmeldeleitungen arbeiten. Prognose von Projektleiter Edwin Christen: "Ein großes Pensum, aber ich gehe davon aus, dass wir das alles in den zehn Wochen schaffen."
Ein bisschen "puff"


Sorgen bereiten Anwohnern die Felsarbeiten: Um eine dritte Fahrspur schaffen zu können, muss der Sandsteinfels auf einer Strecke von 70 Metern um bis zu zwei Meter in der Tiefe weggefräst oder gesprengt werden. Tiefbauamtschef Wolfgang van Bellen kündigte Beweissicherungsverfahren vor den Sprengungen an, die er als "unproblematisch" bezeichnete: "Das wird nicht so ablaufen wie in Actionfilmen. Das macht nur ein bisschen ,puff', und das war's."
Der Infoabend machte deutlich, dass vor allem für Anwohner im Bereich der Neuapostolischen Kirche noch viele Detailfragen zu klären sind. Die Baudezernentin bot dazu Einzelgespräche an.
Allseits begrüßt wurde der Vorschlag von Matthias Daleiden, Ortsbürgermeister von Trierweiler. Er regte an, den FH-Parkplatz freizugeben für Nutzer, die sich dann per pedes an der Baustelle vorbei ins eineinhalb Kilometer entfernte Stadtzentrum begeben könnten. "Während der vorlesungsfreien Zeit ab Juli dürfte das kein Problem sein", schätzt FH-Kanzler Detlef Jahn.
Kosten des Straßenbau- und Sanierungs-Projekts: rund 2,1 Millionen Euro, von denen das Land etwa die Hälfte zahlt. Die Stadtwerke beziffern ihren Aufwand auf rund 400 000 Euro.
Lohn der Mühen und der Geduld von Anwohnern und Zehntausender Kraftfahrer: "Das Nadelöhr B 51 wird auf Stadtgebiet breiter. Die Staus Richtung Trier werden um zwei Drittel zurückgehen", lautet die optimistische Einschätzung von Dezernentin Kaes-Torchiani.Meinung

Auf dünnem Eis
Die vertrauensbildende Maßnahme war sorgsam vorbereitet: Es gab - für eine städtische Veranstaltung äußerst verdächtig - kostenlose Schnittchen und Erfrischungsgetränke. Und die Baudezernentin wahrte auch bei (überflüssigen) leichten Anfeindungen wie "Sie sollten besser aus Stuttgart 21 lernen!" freundlich die Contenance: "Das tun wir jeden Tag." Dennoch ließ der Info-Abend zum B-51-Ausbau die wichtigste Frage offen: Ist das knifflige Großprojekt überhaupt hinzubekommen, wie die Rathaus-Vertreter es gebetsmühlenartig beteuerten? Kein Zweifel, sie geben ihr Bestes. Aber was ist, wenn es während der Vollsperrungsphase zu Verzögerungen im Arbeitsablauf oder zu Zwischenfällen kommt? Es gibt keinen Plan B und keine zeitlichen Puffer. Was bis zum 13. August, dem Beginn des nächsten Schuljahres, nicht geschafft ist, muss unter schwereren Bedingungen nachgeholt werden. Das wird dann nicht nur Zehntausende Verkehrsteilnehmer und den Trierer Handel ärgern. Es wird auch die Kosten explodieren lassen. r.morgen@volksfreund.de