Großer Andrang beim Betreuer-Prozess: Heute wird es ein Urteil geben - Staatsanwaltschaft fordert mehrjährige Haftstrafe

Großer Andrang beim Betreuer-Prozess: Heute wird es ein Urteil geben - Staatsanwaltschaft fordert mehrjährige Haftstrafe

Ein Berufsbetreuer soll seine hilflosen Schutzbefohlenen um mindestens 170.000 Euro betrogen haben. Heute wird in dem spektakulären Prozess am Trierer Landgericht ein Urteil erwartet. Eine mehrjährige Haftstrafe ist wahrscheinlich.

Großer Andrang im Gerichtssaal. Foto: Rainer Neubert
Heute fällt ein Urteil im Betreuerprozess. Foto: Rainer Neubert

Gewerbemäßiger Betrug lautet der Vorwurf gegen einen 40-Jährigen Berufsbetreuer aus Trier, der sich vor dem Landgericht verantworten muss (der TV berichtete mehrfach). Er soll in den vergangenen fünf Jahren insgesamt 170.000 Euro von zwölf der von ihm gesetzlich betreuten hilflosen Menschen veruntreut haben.

In dem Verfahren sind elf Anklagen gemeinsam verhandelt worden. Der Angeklagte, der sich seit April 2014 in Untersuchungshaft befindet, hatte bereits zu Beginn der Verhandlungen alle Vorwürfe eingeräumt. Staatsanwalt Arnold Schomer wird heute eine mehrjährige Haftstrafe fordern.

Der Prozess um den selbstständigen Berufsbetreuer erfährt auch deshalb hohe öffentliche Aufmerksamkeit, weil der Mann in den vergangenen 15 Jahren im Raum Trier und darüber hinaus als vorbildlicher Vertreter seines Standes galt. Kein anderer Betreuer in der Region vertrat die Interessen von so vielen Menschen. Amtsgericht und Betreuungsbehörde hatten ihm zuletzt 98 Fälle zugewiesen.

Von den Konten vieler seiner Klienten soll er dank Vollmacht Geld abgehoben und für private Zwecke genutzt haben. Da er sich dafür falsche Belege oder Blanko-Quittungen von den Kontoinhabern unterzeichnen ließ, war dies über mehrere Jahre auch bei der regelmäßigen Prüfung durch das Amtsgericht nicht aufgefallen. Erst im Jahr 2013 gab es auffällige Unregelmäßigkeiten, die letztlich zur Anzeige durch die Kontrollbehörde führte.

Im Mittelpunkt des Prozesses steht vermutlich nur ein Teil der Betrugsfälle durch den Angeklagten. Denn es gibt mehr als 50 weitere zivilrechtliche Schadensersatzforderungen, von denen der 40-Jährige viele anerkannt und eine Rückzahlung angekündigt hat. Zudem wird vermutet, dass er zusätzlich über zahlreiche private Vorsorgevollmachten verfügt. Für diese gibt es keine gesetzliche Kontrolle.

Aktualisierung 9:15h

Der Andrang beim Betreuerprozess im Trierer Landgericht ist so groß, dass Richter Ronald Hardt die Verhandlung in einen größeren Sitzungssaal verlegt, damit alle Gäste Platz finden.

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