Ground Zero, Paraden und Sprengstoffsuche in der U-Bahn – Eifeler Polizistin Nina Huwer hospitiert bei Kollegen in New York

Kostenpflichtiger Inhalt: Austauschprogramm : Ground Zero, Paraden und Sprengstoffsuche in der U-Bahn – Eifeler Polizistin hospitiert bei Kollegen in New York

Nina Huwer ist Polizistin in Bitburg. Die gebürtige Hochwälderin hat zwei Wochen in den USA beim New Yorker Police Department verbracht. Dort hat sie Beeindruckendes erlebt und manchen Unterschied zur eigenen Arbeit festgestellt.

Eine besondere Reise liegt hinter der 31 Jahre alten Polizeioberkommissarin Nina Huwer. Die gebürtige Lampadenerin (Verbandsgemeinde Saarburg-Kell) zog es vor acht Jahren in die Eifel, wo sie stellvertretende Dienstgruppenleiterin bei der Polizeiinspektion Bitburg wurde. Vor kurzem bewarb sie sich für eine Hospitation in New York, ausgeschrieben von der International Police Association (kurz IPA). Huwer setzte sich gemeinsam mit drei Kollegen aus Berlin, Hessen und Baden-Württemberg gegen mehr als 150 Bewerber durch. „Wir mussten im Bewerbungsverfahren zeigen, dass wir Medienerfahrung haben, und ein selbstgedrehtes Video einsenden. Ich war überglücklich, als dann tatsächlich die Zusage kam“, berichtet die 31-Jährige im Gespräch mit dem TV.

In den zwei Wochen beim New York Police Department (NYPD) besichtigte die Bitburger Polizistin zahlreiche Dienststellen und war mit Spezialeinheiten unterwegs. „Darunter waren zum Beispiel eine Antiterroreinheit, das Spezialeinsatzkommando und die Sprengstoffspezialisten“, erzählt Huwer. Ein besonderes Erlebnis sei für sie die Fahrt mit einem Boot der Wasserschutzpolizei gewesen. Auf der exklusiven Rundfahrt ging es über den Hudson und East River, vorbei an der Freiheitsstatue und unter der Manhattan und Brooklyn Bridge hindurch. „Das waren besondere Ein- und Ausblicke – in den Genuss kommt man als ‚normaler’ Tourist sicherlich nicht.“

Nina Huwer, Polizeibeamtin aus Bitburg, hat zwei Wochen bei den Kollegen des New York Police Department (NYPD) hospitiert. Zum „Austauschprogramm“ zählten unter anderem Einsätze mit Hundestaffeln zur Terrorbekämpfung und ein Tag im Streifendienst. Foto: Polizei Rheinland-Pfalz/Nina Huwer

Während ihres Aufenthalts in der amerikanischen Metropole besuchte Huwer die Steuben Parade, einen traditionsreichen Umzug auf der Fifth Avenue, bei dem die deutsch-amerikanische Freundschaft gefeiert wird. Neben den Kollegen vom NYPD marschierten die deutschen Polizisten in ihren Uniformen. „Das war wie ein Stück Heimat – mit exportiertem Oktoberfestbier und deutscher Schlagermusik“, erinnert sich Huwer und grinst.

Tief beeindruckt habe sie der Besuch am Ground Zero, der Gedenkstätte für die Opfer der Terroranschläge vom 11. September 2001. Ein pensionierter Polizist, der damals im Einsatz war, habe von seinen Erlebnissen erzählt. „Die Geschehnisse dieses Tages von einem Augenzeugen geschildert zu bekommen, das war besonders berührend“, sagt Huwer. Generell sei der Tag 9/11 in der ganzen Stadt noch sehr präsent, die polizeiliche Arbeit sei deutlich auf den Aspekt Terrorismusbekämpfung ausgelegt. Ihrer Meinung nach ist dies auch ein wesentlicher Unterschied zur Polizeiarbeit in Deutschland, auch wenn das Thema hierzulande – zum Beispiel wegen des Anschlags von 2016 auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche – zuletzt stärker in den Fokus gerückt sei.

Ein besonderes Erlebnis war für die Eifeler Polizistin Nina Huwer die Fahrt im Polizeiboot vorbei an der Freiheitsstatue. Foto: Polizei Rheinland-Pfalz/Nina Huwer

Ein weiterer Unterschied zu den USA sei das Budget, sagt Huwer. „In New York City wird sehr viel Geld für die innere Sicherheit ausgegeben, was sich vor allem in der Personalsituation des NYPD widerspiegelt. Es ist dort quasi unmöglich, durch eine Straße zu laufen und dabei keiner Polizeistreife zu begegnen.“

Bereit für den Einsatz: Dienstbesprechung in einem Polizeirevier. Foto: Nina Huwer

In New York City seien allein 36 000 uniformierte Polizeibeamte beschäftigt. Dazu kämen noch etwa 20 000 zivile Mitarbeiter. Bei der Ausstattung der Dienststellen spüre man hingegen weniger von dem hohen Budget, findet Huwer. Sie wirkten oft eher „provisorisch“ eingerichtet, worunter die Arbeitsatmosphäre etwas leide. „Umso herzlicher waren aber der Umgang der Kollegen untereinander, die Wertschätzung innerhalb der Organisation und auch durch die Bevölkerung. Wir durften mehrfach eine Gastfreundschaft erleben, die ihresgleichen sucht“, sagt die Kommissarin. Die Krönung sei ein persönlicher Shuttleservice am Abreisetag in Form einer Einsatzfahrt mit Sonderrechten zum Flughafen gewesen. „Eine Aktion, die uns noch lange in Erinnerung bleiben wird“, sagt Huwer.

In der zweiten Woche der Hospitation fand die Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN) in New York statt. Dort war die Bitburger Polizistin mit den Kollegen der Hundestaffel im Einsatz. Sie suchten mit speziell ausgebildeten Sprengstoffspürhunden die U-Bahn-Stationen nach verdächtigen Personen und Gegenständen ab. Die Gruppe verbrachte einen Tag bei einer Polizeistation in Coney Island, wo sie mit „auf Streife“ ging. Dabei habe sie viel über den Polizeialltag erfahren, sagt Huwer: „Am meisten im Gedächtnis geblieben ist mir die Schusswaffen-Problematik. Obwohl in New York schon deutlich strengere Waffengesetze gelten, kommt es täglich mehrfach zu Schießereien.“ Meist würden illegale Schusswaffen genutzt, regelmäßig Polizeibeamte verletzt oder sogar getötet. Betroffen seien oft soziale Brennpunkte wie die Bezirke Bronx oder Brooklyn. „Man kann festhalten, dass New York ein ‚heißes Pflaster’ ist. Der Job als Polizeibeamter ist dort vermutlich tatsächlich um einiges gefährlicher als bei uns“, sagt Huwer.

Nina Huwer im Gespräch mit einem Mitglied der Hundestaffel-Einheit (K-9) bei der New Yorker Polizei. Foto: Nina Huwer

Nach ihrem Aufenthalt fühle sie sich darin bestätigt, dass Polizisten in Deutschland „in rechtlicher und polizeitaktischer Hinsicht eine sehr gute Ausbildung erfahren“. In den USA dauere die Standard-Ausbildung lediglich sechs Monate. Trotz mancher Unterschiede, findet sie, „ticken wir doch alle irgendwie gleich. Wir Polizisten sind wie eine große Familie. Ich bin dankbar für diese einmalige Erfahrung.“

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