Grüner Anlauf für mehr Wohnraum in Trier

Kostenpflichtiger Inhalt: Trier : Grüner Anlauf für mehr Wohnraum in Trier

Der Wohnungsmarkt hat sich in Trier zum Dauerthema entwickelt. Auch eine vier Hektar große ehemalige Bahnfläche im Bereich Schönborn-/Güterstraße rückt dabei erneut in den Mittelpunkt, darauf drängen die Grünen im Stadtrat. 

Der Erfolg der Grünen bei der Kommunalwahl hat nicht nur im Stadtrat Trier zu neuen Mehrheitsverhältnissen geführt. Auch in den Ortsbeiräten der Stadtteile haben die Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen traditionelle politische Hochburgen von SPD und CDU erobert. Wie weitreichend die Folgen sind, hat sich nicht nur beim Stopp für das große Baugebiet Brubacher Hof bei Mariahof gezeigt. Auch innenstadtnah könnten wichtige Projekte neu justiert werden. 

Aktuelles Beispiel ist das mehrere Hektar große Areal BK 24 „Zwischen Schönbornstraße und Güterstraße“, über dessen Verwendung seit mehr als zehn Jahren immer wieder neu diskutiert wird. Aktuell erarbeitet die Stadtverwaltung dafür einen Bebauungsplan, der die Ansiedlung eines Nahversorgungszentrums vorsieht (der TV berichtete). Unter anderem könnte der Edekamarkt aus der Schöndorferstraße hier ein neues Domizil finden und um einen Discounter ergänzt werden. Das wollen die Grünen im Stadtrat nun noch einmal überprüfen. „Die Verlagerung des Einzelhandels an diesen Standort wäre keine echte Verbesserung für Kürenz, Trier-Nord oder das Gartenfeld“, sagt Dominik Heinrich. „In der aktuellen Abwägung aller Argumente sind Wohnungen an dieser Stelle wichtiger.“

Bei der letzten Sitzung des Trierer Stadtrats in diesem Jahr am kommenden Dienstag wird er deshalb in enger Abstimmung mit Grünen-Fraktionssprecherin Anja Reinermann-Matatko den Antrag einbringen, die Zielsetzung für BK 24 neu zu definieren. Die Stadtverwaltung soll bis Mitte 2020 prüfen, ob das Gebiet auch als Mischgebiet ausgewiesen werden kann, um dort Wohnbebauung zu ermöglichen. Mehr als 1000 Wohnungen, sagen die Grünen unter Berufung auf die Bürgerinitiative Walzwerk Kürenz, könnten auf dem ehemaligen Bahnareal in Geschossbauweise entstehen. Das sei trotz Bestandsschutz für die ansässigen Gewerbebetriebe und kleinerer Neuansiedlungen möglich.

Heinrich war als Ortsvorsteher von Trier-Mitte/Gartenfeld ebenso wie der Ortsbeirat von Beginn an Gegner der bislang von der Mehrheit des Stadtrates getragenen Konzepts für das neue Nahversorgungszentrum. Mit seinem Nachfolger Michael Düro hat sich an dieser Position nichts geändert. In Kürenz musste CDU-Urgestein Bernd Michels – klarer Befürworter des Einzelhandelszentrums – allerdings dem grünen Ole Seidel weichen. Und auch in Trier-Nord steht mit Dirk Löwe nun ein Grüner an der Spitze des Ortsbeirats, der sich klar positioniert: „Ich höre im Paulinviertel, dass es den Menschen wichtig ist, den Edeka als Nahversorger in der Schöndorfer Straße zu erhalten.“

Gespräche mit der Triwo, der das überwiegend brachliegende Areal an der Bahntrasse ebenso gehört wie das nur wenige hundert Meter entfernte ehemalige Walzwerk in Kürenz haben die Grünen noch nicht geführt. „Das Planungsrecht liegt bei der Stadt“, lautet deren Maxime, Investoren klare Vorgaben zu machen. Dominik Heinrich: „Es geht darum, hier kurzfristig innenstadtnahes Wohnen zu ermöglichen. Wir sind optimistisch, dass der Eigentümer seine bisherigen Pläne überarbeiten wird, wenn auch Wohnungsbau möglich ist.“

Bis zur Sitzung am Dienstag wollen die Grünen mit den anderen Ratsfraktionen sprechen, um eine Mehrheit für ihren Antrag zu finden.