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Grünes Paradies oder Gesichtsverlust

Grünes Paradies oder Gesichtsverlust

TRIER. Ein 950 Quadratmeter großer Japanischer Garten soll eine der Hauptattraktionen der Landesgartenschau werden. Doch das Projekt steht vor dem Aus, wenn nicht bis Mittwoch klare Aussagen zur Finanzierung gemacht worden sind.

JohannAubart ist ein umtriebiger Vereinsfunktionär. Bekannt ist er vorallem wegen seines Engagements beim Trierer Stadtlauf. Doch auchbei der Deutsch-Japanischen Gesellschaft (DJG) mischt er alsGeneralsekretär maßgeblich mit. Und Aubart ist sauer. Derjapanische Garten, 950 Quadratmeter groß und vonStar-Landschaftsarchitekt Shigeichi Suzuki geplant, steht vor demEnde, noch bevor die erste Schaufel Erde dafür bewegt wurde. DieSchuldigen hat Aubart schnell benannt: die Verantwortlichen derLandesgartenschau-Gesellschaft. "Wenn wir konkret werden wollen,stoßen wir bei der LGS auf taube Ohren." Städtepartnerschaft liegt auf Eis

Dabei hatte alles so viel versprechend begonnen. Die japanische Stadt Nagaoka, zu der die DJG besonders gute Beziehungen pflegt, sollte Partnerstadt Triers werden. Wie gerufen kam da das Engagement von Japan Tobacco International (JTI) als einer der Hauptsponsoren bei der Landesgartenschau. Euphorisch wurde beim offiziellen Sponsorentermin im Oktober 2002 unter anderem der japanische Garten als eines der wichtigen Förderprojekte vorgestellt.

Bereits zwei Monate später weilte eine Delegation aus Nagaoka an der Mosel, prominentester Gast war dabei - die Entwürfe bereits als Vorleistung der Stadt im Gepäck - der Landschaftsarchitekt Suzuki, der unter anderem vor 25 Jahren den zwei Hektar großen japanischen Garten bei der Bundesgartenschau in Bonn geplant hatte. Bei einem Treffen bei der Landesgartenschau-Gesellschaft, auch Baudezernent Peter Dietze war dabei, wurde das Gartenprojekt diskutiert und positiv bewertet. Mehr als 100 000 Euro dürfe es allerdings nicht kosten, wurde von Seiten der Veranstalter signalisiert.

Ob es damals eine definitive Finanzierungszusage gegeben hat oder nicht, darüber streiten sich nun DJG und LGS. "Wir erwarten, dass dieses Geld von der LGS zur Verfügung steht", sagt DJG-Präsident Norbert Neuhaus, ehemaliger Wirtschaftsdezernent der Stadt Trier. "Ohne diese Sicherheit können wir nicht weitermachen." Dabei drängt die Zeit, denn nur noch bis Mittwoch sind die 1000 Rhododendron-Pflanzen für den Garten reserviert, die Beraterin Petra-Claudia Hogh für den Verein für den halben Preis zurücklegen ließ und die in diesem Frühjahr gepflanzt werden müssen. Danach würde alles teurer und schwieriger und sei kaum noch in dem vorgegebenen finanziellen Rahmen zu realisieren.

Doch die Vorzeichen haben sich verändert. Durch eine Gemeindereform in Japan ist die für 2004 angestrebte Partnerschaft Trier-Nagaoka vorübergehend auf Eis gelegt. Die von der LGS erhofften Zusagen für Zuschüsse aus Japan blieben aus. "Wir übernehmen ein Drittel der Kosten, so wie wir es zugesagt haben", versichert LGS-Sprecher Wolfgang Rommel, "mehr nicht. So lange aber nicht mindestens zwei Drittel der Finanzierung stehen, können wir die Sache nicht absegnen."

Der fehlende Anteil, so glaubten Johann Aubart und seine Mitstreiter bei der DJG, würde aus den Sponsorengeldern der JTI fließen. Doch die sind nicht zweckgebunden für den Garten bestimmt, wie JTI-Finanzdirektor Richard von Contzen bestätigt. Zusätzliche Mittel seien nicht vorgesehen.

Bei der Deutsch-Japanischen Gesellschaft waren sich die Mitglieder bei der Hauptversammlung am Donnerstag einig, dass der Verein das finanzielle Risiko für den Garten nicht tragen kann. Eine kleinere Version komme aber auch nicht in Frage. Johann Aubart: "Die Herren Dietze und Schmauder müssen nun Klartext reden. Wenn wir bis Mittwoch keine Zusage bekommen, müssen wir die Sache absagen. Für uns wäre das ein erheblicher Gesichtsverlust in Japan."

Baudezernent Peter Dietze erklärte am Freitag auf TV -Anfrage, er werde die Angelegenheit heute im Stadtvorstand zum Thema machen. Wolfgang Rommel sicherte zu, die LGS werde sich intensiv um potenzielle Sponsoren kümmern, um das Projekt zu retten. Ob der Garten gebaut wird, muss sich in dieser Woche entscheiden.