Grünes Zimmer im Gartenhof-Haus

Grünes Zimmer im Gartenhof-Haus

TRIER-NORD. Auf Besonderheiten des Quartiers eingehen, Freiräume nutzbar machen und Individualität gewährleisten - dies sind drei Grundlagen, die das Architekten-Büro AV1 in seinem Modell für die Bebauung zweier Grundstücke in Trier-Nord umgesetzt hat. Aus dem Wettbewerb, an dem sich sieben Büros beteiligten, ging das Team aus Kaiserslautern als Sieger hervor.

Ein besonderes Projekt bedarf auch einer besonderen Vorgehensweise. So geschehen für die zwei brachliegenden Grundstücke in der Thyrsusstraße 22 bis 24 und 34 bis 40. Die Wohnungsbaugenossenschaft "Am Beutelweg" lobte im Rahmen des Bund-Länder-Förderprogramms "Soziale Stadt" einen kooperativen Wettbewerb mit der Stadt für die zukünftige Wohnbebauung der Straße in der Nordstadt aus. Professor Jobst Kowalesky, Mainzer Architekt von der Architektenkammer Rheinland-Pfalz und einer der Preisrichter der Jury, machte deutlich, dass der gesamte Prozess, die Wettbewerbsbedingungen, wie gemeinsame Diskussionen von Teilnehmern und Jury aus Fach- und Sachpreisrichtern, von einer "Ambivalenz, einem inneren Widerspruch" geprägt waren und sind. Gleiches gelte für die örtlichen Gegebenheiten, die von Reihenhäusern, Brachflächen, aber auch großen Kasernengebäuden charakterisiert werden, Bauaufgabe und Ansprüche ans Wohnen im Jahr 2005. Die weitere Entwicklung des Stadtteils Trier-Nord, der durch die Sanierung vieler Wohnhäuser am Beutelweg und die sozialen Einrichtungen eine bessere Lebensqualität für die Bewohner biete, soll in der Thyrsusstraße einen anderen städtebaulichen Weg als ausschließlich den sozialen Wohnungsbau nehmen. Das Modell vom Büro AV1, dessen Umsetzung noch für dieses Jahr geplant ist, sieht den Bau von so genannten Gartenhof-Häusern vor, "eine vergessene Form der Bebauung", so Kowalesky. Man müsse auch nicht jeden Tag etwas Neues erfinden und könne trotzdem innovativ sein, erklärte AV1-Architekt Boris Dujmovic. Jeweils vier dreigeschossige Häuser mit spröden Backsteinklinkerfassaden bilden ein autonomes Quartett, gruppieren sich um einen gemeinsamen Wohnhof und werden über einen gemeinsamen Hofweg von der Thyrsusstraße erreichbar sein. "Die Wettbewerbsaufgabe lautete Erarbeitung architektonischer und städtebaulicher Lösungsvorschläge für den Wohnungsbau mit attraktiver Quartiersidentität", erklärte Bernd Steinmetz, Vorstandsvorsitzender der Wohnungsgenossenschaft "Am Beutelweg". Ihren Stolz darauf, dass diese Aufgabe gelöst wurde, drückten auch Bürgermeister Georg Bernarding und Baudezernent Peter Dietze aus. Die neuen Gebäude, aber auch ihre individuelle, sich abhebende Bauweise, setzten neue Akzente im gesamten Prozess der Stadtentwicklung in Trier-Nord. Im Rathaus am Augustinerhof ist noch bis zum 7. März eine Ausstellung über den Wettbewerb mit Informationen und Modellen des Siegers und der anderen Preisträger (zweiter Platz: Architekturbüro Marcus Rommel, Trier, dritter Platz Büro Kuno Mauritius Schneider, Trier und Büro Voss und Kamb, Kaiserslautern) zu sehen. Die Wohnungsbaugenossenschaft bietet während der Ausstellung Sprechstunden an, mittwochs zwischen 16.30 und 18 Uhr.