Grundschule Tarforst: 500 000 Euro für ein dichtes Dach

Grundschule Tarforst: 500 000 Euro für ein dichtes Dach

Mehr als eine halbe Million Euro wird die Sanierung der Tarforster Grundschule kosten. Wer an den Bauschäden schuld ist und wann das Dach abgedichtet wird, steht noch in den Sternen. Die ersten, für die Herbstferien angekündigten, Arbeiten haben sich derweil schon mal verschoben.

Trier. Der neue Baudezernent Andreas Ludwig war kaum im Amt, da standen die Alarmzeichen schon auf Rot: In Triers einzigem Schulneubau, der erst sechs Jahre alten Grundschule Tarforst, stand Wasser im Dachgebälk. Und zwar an den Gratsparren, den Holzbauteilen, die die oberen Kanten des mehrfach gefalteten Dachs fixieren. "Das muss man sich mal vorstellen!", regt sich Ludwig auf. "Da haben wir so viele alte Schulen mit Baumängeln - und dann auch noch ein undichtes Dach auf dem neusten Schulbau!", berichtet der Dezernent dem TV von dem Schockmoment im Spätsommer.
Im Rathaus lief die Notfallplanung an: Wohin könnten die rund 300 Kinder der Grundschule ausquartiert werden, sollten die Bauschäden so groß sein, dass die Schule geschlossen werden müsste? So schlimm kam es dann doch nicht. "Die Statik ist nicht so stark beeinträchtigt, dass der Schulbetrieb gefährdet ist, auch nicht, wenn in den kommenden Wochen Schnee auf das Dach fällt", betont Ludwig.
Die komplette Dachabdichtung inklusive Dampfsperre und Dämmung soll im nächsten Jahr erneuert werden. Den Austausch eines einzelnen nassen und faulen Gratsparren - eines etwa 25 Meter langen Holzbauteils - hatte die Stadt bereits für die zurückliegenden Herbstferien angekündigt. Doch daraus ist nichts geworden. "Weil wir uns mit allen Beteiligten - Architekten, Handwerkerfirmen, Bauleiter - in einem Beweissicherungsverfahren befinden, müssen Eingriffe in den Bau mit allen abgesprochen werden. Eine Unterschrift fehlt uns noch, damit wir den Sparren austauschen können", erklärt Baudezernent Ludwig, warum sich die Dacharbeiten verzögern. "Das ist aber kein Problem, die Arbeiten können auch bei laufendem Schulbetrieb ausgeführt werden." In den nächsten Wochen soll das passieren.
Die Baumängel an der Schule sind allerdings zahlreich (der TV berichtete, siehe Extra). "Tatsächlich habe ich so viele Mängel an einem so neuen Bau in meinem Berufsleben noch nicht gesehen", bestätigt Ludwig. Wie das bei einem erst sechs Jahre alten Gebäude, das dazu noch Ergebnis eines Architekturwettbewerbs ist, sein kann, darauf hat der Dezernent keine Antwort parat. "Wer was wann falsch gemacht hat, muss per Gericht geklärt werden. Schuldzuweisungen wären zum jetzigen Zeitpunkt ohnehin fehl am Platz. Priorität hat, dass der Schulbetrieb ordnungsgemäß weitergehen kann."
Einig sind sich die beiden Bauexperten Ludwig und Frank Simons - der den Bauantrag für die Schule damals als Mitarbeiter der Stadtverwaltung geprüft und unterschrieben hat und mittlerweile Leiter des Amts für Gebäudewirtschaft ist - in einem: Je komplizierter ein Bau ist, desto mehr Fehler können passieren.
Dass die Stadt künftig nach dem Motto "quadratisch, praktisch, gut" baue, stehe trotzdem nicht zur Diskussion, sagt Ludwig. "Unser ehrgeiziges Ziel muss weiterhin sein, gute Architektur mit niedrigem Energieverbrauch zu einem vernünftigen Preis zu realisieren", sagt Ludwig.
Aus den Fehlern, die offensichtlich beim Bau der Grundschule Tarforst gemacht worden sind, will die Stadt lernen: "Ganz besonders bei komplizierten Gebäuden muss die Bauausführung unbedingt mit sehr viel Sorgfalt begleitet werden", sagt Ludwig.
Privat sind die beiden übrigens auf Nummer sicher gegangen: Ihre eigenen Häuser haben sowohl Ludwig als auch Simons in monolithischer Bauweise errichtet - das Stein-auf-Stein-System gilt als unkomplizierter und auf Dauer viel weniger schadensanfällig als die Verbundkombination von Holzelementen mit mehreren Dämmebenen wie bei der Tarforster Grundschule.Meinung

Was für eine Blamage!
Auch Triers einziger Schulneubau ist also ein Sanierungsfall. Was für eine Blamage! Wie hatte die Stadtverwaltung die Architektur der Schule gepriesen, wie wurde die Energiespar-Bauweise bei der Eröffnung vor sechs Jahren gelobt! Dabei hat es bei Planung und Bauausführung offenbar so richtig gehapert. Eine Dampfsperre durchbohrt, die zweite Dampfsperre undicht, eine nicht richtig verlegte Abdichtungsplane, ein verrutschtes Gründach und Leimbinder, die den Druck der Dachkonstruktion nicht aushalten - wer hätte gedacht, dass ein so neues Gebäude so viele Schäden haben kann? Ob der Projektleiter der Stadt, der den Bau damals begleitet hat, nicht genau hingeschaut hat, die Handwerker schlampig gearbeitet haben oder Konstruktionsfehler die Ursache sind, wird erst der Gerichtsprozess zeigen. Bis dahin trägt die Stadt die Sanierungskosten von mindestens 500 000 Euro. Ob und wie viel sie davon von Architekten oder Handwerkern zurückbekommt, steht in den Sternen. c.wolff@volksfreund.deExtra

Ursache für den nassen und faulen Gratsparren im Gebälk des Schuldachs ist laut Baudezernent Andreas Ludwig, dass die sogenannte Dampfsperre "offenbar nicht nach den Regeln der Technik eingebaut wurde". Kondenswasser aus dem Inneren der Schule kann so in das Dach eindringen. Zusätzlich ist die Dachabdichtung, die Wasser von außen abhalten soll, undicht. Bereits Ende 2009 - bei der Bauabnahme - war der Stadt aufgefallen, dass die Dachabdichtung Falten wirft. Weil der Hersteller der Abdichtungsbahn den Faltenwurf damals als "unkritisch" bewertete, wurde nicht nachgebessert. Ebenfalls Probleme macht das Gründach, das offenbar wegen mangelhafter Befestigung verrutscht ist und so weitere Undichtigkeiten der Dachabdichtung verursacht hat. Vierter Baumangel sind die Risse in den Leimbindern, den tragenden Holzteilen im Dach über der Mehrzweckhalle. Die Ursache für diesen Schaden, der im Januar 2015 entdeckt wurde, ist noch unbekannt. Ein Gutachten ist in Auftrag gegeben, das Ergebnis liegt noch nicht vor. Wie bereits im vorigen Winter müssen Mehrzweckhalle und Mensa der Schule bei stärkerem Schneefall gesperrt werden, bei leichtem Schneefall befreit ein beauftragter Dachdecker das Dach von der Last, so dass Sportunterricht und Mensabetrieb unbehelligt bleiben. Bei starkem Schneefall fällt der Sportunterricht aus, die Mittagsessensversorgung wird in einen anderen Raum verlegt. Entsprechende Absprachen und Vorkehrungen sind mit dem Essenslieferanten besprochen. woc