Gucken erlaubt, anfassen auch

Gucken erlaubt, anfassen auch

Eigentlich gilt bei den "Chippendales" die goldene Regel: anfassen verboten. Dennoch gehen die zwölf durchtrainierten, wohlproportionierten Männer auf Tuchfühlung mit ihrem zu 99 Prozent weiblichen Publikum in der Trierer Europahalle. Und das ist ganz aus dem Häuschen bei so viel Testosteron, wenn echte Kerle die Hüllen fallen lassen.

Die Röcke sind kurz, die Oberteile knapp und tief dekolletiert, die Augen glänzen - bei der einen vor Erwartung, bei der anderen vor Begierde. Nur noch eine Minute, dann hebt sich der Vorhang und öffnet den Blick auf einige Männer, die singen, tanzen - und für den Geschmack der Damen viel zu bekleidet sind.

"Hosen runter, Jungs", kreischt es aus der Kehle einer jungen Frau. Das enfesselt Emotionen, das steckt an. Die Frequenz steigt, die Schreie werden schriller. Und dann lassen die kernigen Kerle zum ersten Mal die Hüllen fallen, Muskeln tanzen, Fantasien flammen auf. Das ist die Show, das will frau sehen. Und spüren. Doch nur wenige werden zum "Bodycheck" auf die Bühne gebeten. Aber dann heißt es: anfassen erlaubt. "I'm your man" singen drei Jungs, als Boxer markieren andere den starken Mann. James Bond und Zorro geben sich die Ehre. Während Enrique Eglesias vom Band jammert "I can be your hero, baby", missachten vier Uniformierte die militärische Kleiderordnung, lüpfen die blütenweiße Dienstkleidung, nicken den Damen zu "Yes, we can" und geben den Blick frei auf Sterne und Streifen auf der Unterwäsche.

Böse Jungs wollen die Ladys auf Nachfrage sehen. Und dann kommen sie, Untergrund-Gestalten, Banditen, Piraten. Und dann: Feuerwehrmänner, Bauarbeiter, Ärzte, Cowboys. An Klischees mangelt es nicht, bedient werden sie ohne Scham. Erotik ist alles, was zählt. Es wird heiß, es wird unzüchtig, die Hemmungen sinken, die Wangen glühen. Anrüchig? "Nein ist es gar nicht, aber eine tolle Show", sagt Irene. Sie und ihre Freundinnen Mechthild, Daniela, Monika und Antonia haben Hanne (50) den Besuch bei den Chippendales zum Geburtstag geschenkt. Sich selbst aber auch. Denn alle sind gekommen, um "knackige Körper" zu sehen. Und ihre Männer? Die sind daheim geblieben. "Appetit holen darf man sich ja. Gegessen wird daheim. Und heiraten wollen wir die Jungs ja nicht", sagt Hanne.

Die wenigen Männer, die sich in die Europahalle verirrt haben, staunen. "Laut ist es", sagen Uwe Horsch und Stefan Bach von der freiwilligen Feuerwehr Zewen. Zum Brandschutz hinter der Bühne abkommandiert, blicken sie hinter die Kulissen. "Gut erzogen" seien die Muskel-Männer, von Macho-Allüren keine Spur. Nur wundert die echten Feuerwehrmänner, dass die Europahalle nur zur Hälfte besetzt ist. "Aber das spricht für die Trierer Männer."