Gut ankommen in Deutschland

Woher sollen schwangere Flüchtlinge wissen, was sie in einem deutschen Krankenhaus bei der Entbindung erwartet? Die katholische Familienbildungsstätte Trier bietet daher seit April einen Geburtsvorbereitungskursus an.

Trier. Fünf Frauen im Alter von 21 und 29 Jahren sind gekommen, um an diesem Dienstag in der Krahnenstraße mit einer Hebamme alles Wissenswerte über die bevorstehende Entbindung zu erfahren.
Sie sind erst vor einigen Monaten aus Syrien, Marokko und Afghanistan nach Deutschland geflohen und sprechen nur Arabisch oder Farsi. Über den Sinn eines Mutterpasses oder die Gepflogenheiten in deutschen Kreißsälen wissen sie nichts. Das soll sich nun ändern.
Lockere Atmosphäre


Hebamme Cindy Mundt zeigt anhand von Zeichnungen, wie sich der Unterleib im Verlauf der Geburt verändert. Was sie dabei sagt, übersetzt Arzthelferin Huda Qasim ins Arabische, die Lehrerin Zeynab Sosani gibt für eine afghanische Teilnehmerin die Worte auf Farsi wieder.
Obwohl die meisten der anwesenden Frauen bereits ein Kind haben, hören sie heute viel Neues über die Entbindung in Deutschland. In Syrien ist die Untersuchung durch einen männlichen Arzt nicht üblich. Dass es hier anders ist, verunsichert die Frauen. Es ist sogar undenkbar, dass der Kindsvater während der Geburt dabei ist, während es hierzulande Gang und Gäbe ist.
"Keine Angst", sagt Cindy Mundt, "der Ehemann steht nur am Kopfende." Trotzdem ist eine junge Syrerin skeptisch. Ihr Mann habe zuviel Angst, er solle doch lieber draußen bleiben, sagt sie lachend und fügt augenzwinkernd hinzu: "Hauptsache, er kann mich dabei hören." Die anderen Frauen lachen mit.
Auch bei der Schilderung der Hebamme, dass es bei einigen deutschen Frauen Sitte sei, den Mutterkuchen mit nach Hause zu nehmen, um ihn im Garten zu vergraben, ist die Belustigung groß.
Verschiedene Geburtspositionen und Möglichkeiten der Betäubung werden erklärt, die beiden Übersetzerinnen suchen manchmal nach den Fachbegriffen, die Stimmung ist locker. Die Frauen sind offen und hören interessiert zu.
"Werde ich die Hebamme im Kreißsaal verstehen, wenn sie mir erklärt, was ich machen soll?", fragt eine 21-Jährige, die ihr zweites Kind erwartet. "Keine Sorge, das kriegt ihr hin", beruhigt sie Cindy Mundt.
Die Frauen sind froh, dass sie im Rahmen des Kurses intime Dinge erfahren, die sie normalerweise mit ihren weiblichen Verwandten besprechen würden. Doch ihre Mütter, Schwiegermutter, Schwestern sind weit weg.
Auch die Fastenzeit, die gerade begonnen hat, ist ein Thema. Die junge Frau aus Afghanistan ist als strenggläubige Muslima trotz Schwangerschaft nicht vom Ramadan ausgenommen. Cindy Mundt reagiert einsichtig und respektvoll.
Seit April wird der Kurs jeden Dienstag von 13 bis 15 Uhr in der Krahnenstraße 39b angeboten. Der Einstieg ist jederzeit möglich, nach jeweils sechs Einheiten wiederholt sich der Stoff. Unter dem Motto "Gut ankommen in Deutschland" sind weitere Angebote für Flüchtlingsfamilien in Planung.
Infos und Anmeldung im Internet unter <%LINK auto="true" href="http://www.fbs-trier.de" text="www.fbs-trier.de" class="more"%> oder per E-Mail an: info@fbs-trier.de