Gut Steig will Weile haben

Er kommt später, und er wird länger: Die für dieses Frühjahr angekündigte Eröffnung des Moselsteigs ist auf den Spätsommer verschoben - für die Macher "kein Problem", weil es einen guten Grund gibt. Statt wie zunächst geplant bis Winningen, führt der Moselsteig bis Koblenz.

Berlin/Trier. Gut Ding will Weile haben. Seit 2009 bastelt Projektleiter Thomas Kalff (34) von der Mosellandtouristik GmbH am Moselsteig. Auf der 2012er Internationalen Tourismus-Börse (ITB) hatte er die Eröffnung für "Frühjahr 2013" angekündigt. Ein Jahr später korrigiert er sich an gleicher Stelle: "Wir brauchen noch ein paar Monate. Ich gehe davon aus, dass es nach den Sommerferien so weit sein wird."
Von Perl bis zur Mündung


Grund der Verschiebung: Der Moselsteig wird länger. Statt wie ursprünglich geplant vor den Toren der Stadt Koblenz, wird der Weg am Deutschen Eck enden, also da, wo die Mosel in den Rhein fließt. Koblenz sei im Dezember auf den Moselsteig-Zug aufgesprungen. 365 statt 350 Kilometer Länge - das bringe "Moselerlebnis total" am gesamten deutschen Flusslauf von Perl bis zur Mündung, aber auch zusätzlichen Abstimmungsbedarf. Dennoch sieht Kalff sein "Leib- und Magenprojekt" auf der Zielgeraden. Die größten Knackpunkte wie eine naturschutzbedingte Änderung der Wegeführung in Klotten/Untermosel oder wegen des Pumpspeicherkraftwerks Schweich sind abgehakt, nun geht es an den Feinschliff. Zum Beispiel die Klärung der Frage, wo genau die Markierung und Beschilderung - 500 Pfosten, 1000 Schilder - angebracht werden.
Der Moselsteig nimmt Gestalt an und mit ihm auch die Vermarktung. Einziges handfestes Werbemittel war bislang eine Ankündigungspostkarte, mit der "Prospektmaterial zum Moselsteig, sobald dieses fertiggestellt ist", angefordert werden konnte. Das liegt nun druckfrisch vor.
Auf der gestern zu Ende gegangenen ITB gingen die Prospekte weg wie warme Schrippen. "Endlich gibt es Anschauungsmaterial!", freut sich auch Karin Hünerfauth-Brixius (44), die im Auftrag des Landes Rheinland-Pfalz das "Produkt Wandern" managt und international unterwegs ist: "Schon 2012 wollten Reiseveranstalter den Moselsteig in ihr Programm aufnehmen, aber ich musste vertrösten. Was einerseits schade ist, aber andererseits auch zeigt, dass wir mit der Strategie, Rheinland-Pfalz als Destination auch für Wanderer zu profilieren, genau richtig liegen."
Das sieht auch Wirtschafts- und Tourismusministerin Eveline Lemke (48, Grüne) so: Sie pries auf der ITB die neue Errungenschaft in der 2005 mit dem Rheinsteig begonnenen "Erfolgsgeschichte" als "wunderbare Sache" und "bestmögliche Abrundung unseres Konzepts".
Der Moselsteig ist der zehnte und längste Fernwanderweg in Rheinland-Pfalz und beschert möglicherweise eine Premiere: "Wenn uns niemand mehr zuvorkommt, werden wir als erster Weg in Deutschland mit dem europäischen Wandersiegel ‚Leading Quality Trails - Best of Europe\' ausgezeichnet", sagt Projektleiter Kalff; das sei wichtig für das Auslandsmarketing.
Mosellandtouristik-Chefin Sabine Winkhaus-Robert (52) erwartet einen "großen Schub" vom Moselsteig: "Er ist das richtige Produkt zur richtigen Zeit. Wandern war bei uns schon immer stark nachgefragt. Bald können wir endlich mit höchster Qualität darauf antworten."
Links Eifelsteig, rechts Saar-Hunsrück-Steig: Für Trier ist der Moselsteig von herausragender Bedeutung, er macht Deutschlands älteste Stadt zur einzigen mit direkter Anbindung an drei hoch dotierte Fernwanderwege.
Hotellerie und Gastronomie stellen sich zunehmend auf Wanderer ein. Vor einem Jahr gab es moselweit 62 Betriebe mit dem Zertifikat "Qualitätsgastgeber Wanderbares Deutschland", heute sind es 74 plus die fünf Jugendherbergen von Saarburg bis Cochem.Extra

365 Kilometer, 22 Etappen: Der Moselsteig wird nach seiner Eröffnung im Spätsommer einer der längsten Qualitätswanderwege in Deutschland sein. Er führt entlang des gesamten deutschen Mosellaufs von Perl bis Koblenz; 14-mal wechselt die Flussseite. Unmittelbar an die Streckenführung angebunden sind zahlreiche zertifizierte Wanderwege, meist als Rundwege konzipierten "Traumpfade" oder "Seitensprünge". Entlang der Strecke gibt es ein dichtes Netz an Hotels und Pensionen, die sich nach den vom Deutschen Wanderverband geforderten Kriterien zum "Qualitätsgastgeber Wanderbares Deutschland" qualifiziert haben. Mehr Infos im Internet: www.moselsteig.de rm.

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