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Gute Freunde kann niemand trennen

Gute Freunde kann niemand trennen

Mit hochklassigen Musikbeiträgen und spannenden Anekdoten haben die Städte Trier und Weimar das 25-jährige Bestehen ihrer Partnerschaft gefeiert. 500 Gäste, davon mehr als die Hälfte aus Weimar, kamen zum Festakt ins Trierer Theater.

Trier. Acht junge Menschen vom Weimarer Verein D.A.S. Jugendtheater inszenieren die schwierigen deutsch-deutschen Annäherungsversuche Ende der 1980er Jahre. Eine Zeit, in der die Nachwuchsschauspieler wahrscheinlich noch nicht geboren waren. Diese Konstellation und die teilweise bis ins Groteske übersteigerte Darstellung der geschichtsträchtigen Verhandlungen überraschen und beleben den Festakt im Trierer Theater.
Der Männergesangverein Rheinland Ehrang, die Liedertafel Weimar und das Philharmonische Orchester der Stadt Trier unter der Leitung von Victor Puhl komplettieren den festlichen Rahmen für die vielen persönlichen und gemeinsamen Erinnerungen. So erwähnt Triers amtierender Oberbürgermeister Klaus Jensen (60) Briefe, die er als damaliger Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Frieden an den damaligen OB Felix Zimmermann geschrieben hat: "Wir haben den Wunsch nach Mitarbeit bei der Partnerschaft geäußert."
"Wir lieben Trier von Herzen"


Jensens Weimarer Amtskollege Stefan Wolf (50) gerät ins Schwärmen: "Wir Weimarer lieben Trier von Herzen. Die Stadt, die Geschichte, die Landschaft drum herum - und natürlich den Moselwein."
25 Jahre Partnerschaft in 25 Minuten kündigt Hans-Günther Lanfer, Pressereferent der Stadt Trier, bei der Zeitzeugenrunde an. Es werden dann eher doppelt so viele Minuten, doch keine ist langweilig.
Alt-OB Felix Zimmermann (79) erzählt von einem legendären Waldspaziergang beim Liebhabertheater Schloss Kochberg. Als er dort eine Bühne gesehen habe, sei das für ihn als "Rampensau" eine Herausforderung gewesen. Zimmermanns freier Goethe-Vortrag brach damals das Eis zwischen den Delegationen aus Ost und West. Die ebenso spontane wie textsichere Wiederholung des Gedichts beim Festakt verblüfft die Zuhörer.
Auch Helmut Schröer (69), 1987 Bürgermeister und von 1989 bis 2006 OB von Trier, läuft zu großer Form auf: "Beim Besuch in Weimar haben die uns ein Programm von 7 bis 24 Uhr gemacht. Sie haben aber nicht mit meiner Kondition gerechnet. Dann haben wir die Kontakte mit der Opposition eben nach Mitternacht erledigt." (Siehe auch weiteren Text unten.)
Georg Bölk, seit 41 Jahren Tubist der Staatskapelle Weimar, erzählt von der ständigen Sorge, bei den Reisen in den Westen Mitglieder des Orchesters zu verlieren: "Unser Bus stand abfahrbereit in Trier, als zwei Musiker plötzlich rausrannten. Sie wollten aber nicht flüchten, sondern nur auf die Hoteltoilette."
Fall der Mauer beschleunigt


Vorkhardt Germer (68), 1987 stellvertretender OB und 1994 bis 2006 OB von Weimar, erklärt, warum die Städtepartnerschaft zustande kam und auch schwierige Zeiten überlebte: "Wir haben Menschen kennengelernt, die uns gezeigt haben, dass hier nicht der Klassenfeind lebt. Die Partnerschaft hat den Fall der Mauer beschleunigt."