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Gute Vorzeichen für ein Pumpspeicherkraftwerk

Gute Vorzeichen für ein Pumpspeicherkraftwerk

Die Nachricht von einem geplanten Pumpspeicherkraftwerk auf dem Hochplateau zwischen Longen, Mehring, Ensch und Bekond hat in der betroffenen Region weitgehend positive Reaktionen ausgelöst. Tenor: Das ist alles besser als Atomkraft - und vielleicht fördert es wie in Vianden/Luxemburg den Tourismus.

Schweich/Longen/Ensch/Mehring. Der TV-Bericht vom 13. April über ein gewaltiges Energieprojekt der Stadtwerke Trier (SWT) stößt in den betroffenen Gemeinden auf hohes Interesse. Um die Energieerzeugung aus den regionalen Windkraftanlagen rationeller nutzen zu können, plant das Trierer Versorgungsunternehmen ein Pumpspeicherkraftwerk mit einem Oberbecken oberhalb von Longen und einem rund 200 Meter tiefer liegenden Unterbecken oberhalb von Ensch.

Die ersten gemeinsamen Überlegungen von den SWT, dem Kreis Trier-Saarburg und der Verbandgemeinde (VG) Schweich hatten im "stillen Kämmerlein" stattgefunden. Vor etwa drei Wochen wurden die Ortsbürgermeister der betroffenen Gemeinden informiert - allerdings mit der Auflage, bis zum Vorstellungstermin am 13. April Stillschweigen zu bewahren.

Inzwischen ist die (Energie-)Katze aus dem Sack, und in den Orten setzt schnell eine Meinungsbildung ein. Als hilfreich erweist sich dabei das in den 60er Jahren erbaute Pumpspeicherkraftwerk in Vianden/Luxemburg. Viele in der Region haben die Anlage einmal besichtigt, nicht wenige sogar mehrfach. Und wer nicht selbst dort war, kennt Berichte von Bekannten oder Verwandten. Der Begriff "Pumpspeicherkraftwerk" ist somit in der Region kein abstraktes Etwas, sondern eine bekannte Größe. Die meisten Bürger, die der TV in den Orten dazu befragte, reagierten mit spontaner Zustimmung: "Erneuerbare Energie in der Nachbarschaft - ja bitte!" Angeschoben wird diese Pro-Stimmung durch das Atomdesaster in Japan. Die Atomkraft lehnen alle Befragten ab. Öfter gefragt wird allerdings, ob die Energieversorgung einmal ganz ohne Atom und Kohle laufen kann. In Ensch tauchte einmal die Frage auf, ob solche Staubecken auf der Höhe über den Orten nicht auch Gefahren bergen könnten.

Bürgermeister Berthold Biwer von der VG Schweich betont im Gespräch mit dem TV, dass alles erst in den Anfängen stecke. Die Ortsgemeinden hätten das Projekt positiv aufgenommen. Auch die Bürger sollten nun frühzeitig eingebunden werden. "Man wird nun im ersten Schritt eine Bodenuntersuchung in die Wege leiten müssen. Alles andere ist Zukunftsmusik - von Planung, Genehmigungsverfahren bis zur Form einer künftigen Beteiligungsgesellschaft. Mindestens fünf bis sechs Jahre müssen für solch ein Projekt angesetzt werden", sagt Biwer.

Ortsbürgermeister Hermann Rosch, Gemeinde Longen, kann den Plänen nur Positives abgewinnen. Grundsätzlich sollte die regenerative Energie ausgebaut werden. Und für die kargen Flächen auf dem Berg, wo seit 30 Jahren kein Landbau mehr betrieben werde, sei dies die optimale Nutzung. Rosch: "Das lässt sich auch touristisch nutzen. Schauen Sie mal, was am Werk Vianden los ist." Dass dieses Projekt viele Gegner auf den Plan rufen könnte, glaubt Rosch nicht.

Ortsbürgermeister Lothar Schätter, Gemeinde Ensch, findet das Projekt grundsätzlich positiv. Um aber Genaueres dazu sagen zu können, müsse erst die Planung abgewartet werden.

EXTRA

STIMMEN ZUM PROJEKT

Das Hochplateau im Dreieck Ensch, Mehring und Longen mit der angenommenen Lage der beiden Pumpspeicherbecken und ihrem Verbindungsstollen. Mit überschüssigem Windstrom wird das Wasser vom Unter- ins Oberbecken gepumpt, bei Spitzenbedarf läuft es zurück durch eine Turbine. TV-Foto: Portaflug, Föhren/Grafik: Birgit Keiser



Margret Balzer (81), Ensch: "Ein erfreulicher Plan. Alle Bemühungen um die erneuerbaren Energien finde ich grundsätzlich gut. Das gilt auch für das Enscher Bürgerhaus, auf dessen Dach gerade eine Solaranlage installiert wird." Hermann-Josef Thul (53) Ensch: "Ich habe heute zum ersten Mal davon gelesen. Ich finde, dass es eine gute Idee ist - wegen der sicheren Energieversorgung und weil das bei uns auch neue Arbeitsplätze schaffen wird." Klaus Schu-Schätter (53) Ensch: "Dieses Energieprojekt sehe ich grundsätzlich positiv. Ich weiß im Augenblick allerdings nur das, was im TV stand. Aber ich denke, die Sache mit dem Pumpspeicherwerk wird verwirklicht." Walter Frick (52), Mehring: "Ich bin für das Projekt. Aber die Frage bleibt, ob solche Anlagen für unsere Versorgung reichen, wenn man hier die Atomkraftwerke abstellt. Müssen wir dann sogar Atomstrom im Ausland kaufen?"