Banken: Gute Zahlen in unsicheren Zeiten

Banken : Gute Zahlen in unsicheren Zeiten

Die Volksbank Trier ist zufrieden mit den Geschäften im vergangenen Jahr. Ihre Bilanzsumme wächst um gut 7 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro. Die Genossenschaftler sollen von einer Dividende in Höhe von vier Prozent profitieren.

Die Vorstellung der Jahreszahlen bei den Banken zu Jahresbeginn stellt immer ein Gradmesser für die Stimmung bei den Kunden und für die Konjunktur in der Region dar. Von daher werden die beiden Vorstände Norbert Friedrich und Alfons Jochem auch nicht müde, auf die „gesegnete Lage in der Region“ (Jochem) hinzuweisen und das vergangene Jahr als eines zu bezeichnen, das „weiterhin für ein Wachstum im direkten Geschäft mit Kunden und Mitgliedern“ gesorgt hat, sagt Friedrich. „Unsere Zahlen sind ein Spiegelbild der guten Konjunktur in der Region“.

So ist die Bilanzsumme um 7,6 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro gewachsen, das Jahresergebnis liegt bei 1,75 Millionen Euro. „Damit können wir an die guten Ergebnisse der Vorjahre anknüpfen und sind richtig gut aufgestellt für die Zukunft“, sagt der Vorstand. Und damit die knapp 38 000 Genossenschaftler auch von den guten Geschäften profitieren, schlägt der Vorstand der Vertreterversammlung eine Dividende von vier Prozent vor.

Dennoch kann sich auch die Genossenschaftsbank in der Stadt Trier und im Landkreis Trier-Saarburg nicht davon frei machen, dass die Entwicklungen in Deutschland, in der EU oder auch weltweit Sand ins Getriebe der guten Bankgeschäfte streuen. So bezeichnet Alfons Jochem die globale Lage als „derzeit sehr volatil“. Heißt, ob Brexit, Handelskonflikte oder zunehmende gesellschaftliche Spannungen: „Diese Themen bewegen auch uns sehr und haben auch Auswirkungen auf die Kunden.“

Beispiel Vermögensaufbau: „Wir sehen hier einen echten Vermögensverzehr. Eigentlich müssten die Menschen jetzt mehr Geld zurücklegen: Wir sehen aber, dass das Kapital oft bis zum Alter aufgebraucht ist“, sagt Friedrich. Für viele werde die Luft dann, wenn das Ersparte wichtig werde, eng.

Beispiel Regulatorik und Unternehmensfinanzierung: „Wir haben gesunde Unternehmen in der Region Trier“, sagt der Vorstand. Aber die Banken müssten aufgrund zunehmender Transparenz bei den Daten schneller „die Spreu vom Weizen trennen.

Heißt: Bevor wir einen Betrieb aufgeben, tun wir alles“, sagt Friedrich. Aber die Möglichkeiten seien zunehmend eingeschränkt: „Unser Spielraum ist kleiner geworden.“ Und noch eines hat die Volksbank Trier festgestellt: „Die Unternehmen in der Region sind insgesamt weniger und immer größer geworden.“

Bislang hat die Volksbank Trier von den externen Entwicklungen eher profitiert. So verzeichnet die Genossenschaftsbank ein Wachstum sowohl bei Mitgliedern und Kunden. Letztere kehrten immer häufiger den Großbanken den Rücken.

„Das betrifft auch junge Kunden. Beim Girokonto fallen Leistungsunterschiede vielleicht nicht auf. Wenn es aber wie bei der Baufinanzierung in medias res geht, dann wollen viele wissen, von wem das Geld kommt und ob es auch in der Region bleibt“, sagt Alfons Jochem. Und das spiele allen Regionalbanken derzeit in die Karten. Und sein Kollege Friedrich ergänzt: „Beim Verhältnis der Kundeneinlagen mit 1,21 Milliarden Euro zum Kreditvolumen in Höhe von 1,29 Milliarden Euro wird deutlich: Wir sind uns unserer Verantwortung hier bei den Menschen bewusst: Noch mehr Regionalität geht nicht.“

Fürs kommende Jahr geht der Volksbank-Vorstand weiterhin von einer guten Konjunktur in der Region bei niedrig bleibenden Zinsen aus.

„Selbst wenn sich der Aufschwung verlangsamen sollte, wird das hier kaum so ausgeprägt ankommen“, sagt Norbert Friedrich. „Der Immobilienmarkt wird weiterhin sehr attraktiv bleiben. Hier ist auch noch kein Ende in Sicht“, sagt sein Kollege Jochem. Und der Volksbankvorstand hat auch einen konkreten Wunsch an die Trierer Stadtverwaltung: „Bestehende Häuser sollten stärker nach oben bebaut werden können, und die Entscheidungen, auch im sozialen Wohnungsbau, sollten schneller getroffen werden“, fordern die beiden. Es könnte mehr in kürzerer Zeit gebaut werden, und dies habe nichts mit dem römischen Erbe zu tun.

Beim Filialnetz sieht Friedrich bei 30 Einheiten und sechs Selbstbedienungsterminals „keinen Stress, Einheiten zu schließen“, sagt er. Der Kunde werde mit zunehmendem digitalen Bankgeschäft selber mitentscheiden, wie stark der direkte Kontakt am Bankschalter noch erwünscht sei. So gibt es bereits heute eine Online-Terminvereinbarung, Messenger Dienste und Videoberatung. Und für die weitere Digitalisierung seien in den kommenden fünf Jahren Investitionen in sechsstelliger Höhe vorgesehen.

Jochem: „Klar ist aber auch. Wir können jeden Euro nur einmal ausgeben. Und der Trend geht eindeutig zu mehr Online-Service.“

Mehr von Volksfreund