Guten_Morgen_2410

Nicht, dass ich ein ausgeprägter Morgenmuffel wäre. Aber ich gehöre zu den Menschen, die in den ersten anderthalb Stunden des Tages auf ein Übermaß an Ansprache durchaus verzichten können. Zum Glück ist meine Familie ähnlich gestrickt, so dass es morgens im Hause Lintz angenehm ruhig zugeht.

Bis zu dem Moment, wo wir im Auto Richtung Schule sitzen und das Radio eingeschaltet wird. Dann beginnt der Quassel-Terror. Wieso Radio, werden Sie fragen, man muss sich das doch nicht antun. Aber ich bin von Berufs wegen Journalist, und da gehört es zu den professionellen Deformationen, dass man immer auf dem Laufenden sein will. Was ich gerne hätte, wären die wichtigsten Infos in Kürze und ein erträglicher Musikteppich. SWR 4 oder DLF kommen musikalisch nicht infrage, das empfänden meine Töchter als Körperverletzung. Also einer von den Pop-Sendern, mögen sie nun SWR 3, RPR, Antenne, SWR 1 oder Big FM heißen. Das Problem ist nur, dass alle diese Programme offenbar in die Morgenschiene gezielt ihre größten Nervensägen stopfen. Da wird dummgelabert und gequatscht, dass einem der Kopf platzt. Und das in einer zwanghaften Gute-Laune-Tonart. Da werden Sketche gesendet, denen jeglicher Anflug von Pointe abgeht. Nicht zu vergessen die penetranten Eigen-Aktionen. Als ob es irgendwen interessiert, dass 80 Hörer mit der Moderatorin in Urlaub fliegen dürfen oder eine Hausfrau in orgiastische Begeisterungs-Krämpfe verfällt, weil sie 50 Euro gewonnen hat. Und als wären wir zu blöd, um das selbst zu entscheiden, erzählt man uns unentwegt, dass wir gerade die beste Comedy, den besten Musikmix, die tollsten Hits hören. Vorschlag zur Güte: Liebe Sender, lasst doch mal einen Tag die Labertaschen und die Trailer weg. Nur versuchsweise. Das könnte ein Quotenhit werden. Und ein richtig guter Morgen.