gutenmorgen_kru_2109

An einem verregneten Dienstagnachmittag hatte der Regionalexpress mal wieder acht Minuten Verspätung. "Wir bitten die kleine Verzögerung zu entschuldigen." Sagen Sie das mal dem Busfahrer. Der entschuldigt gar nix.

Fährt ab. Ist weg und Punkt. Schließlich kommt der nächste Bus doch schon in 40 Minuten.Zeit-Überbrückungs-Strategie: ein nettes Telefongespräch mit Freunden. "Florian und Eva sind im Moment nicht zu Hause. Sie melden sich aber bestimmt, wenn Ihr eine Nachricht hinterlasst, bis dann tschüss", tönt es vom Anrufbeantworter. Nun ja - heute ist wohl nicht mein Tag. Zwanzig Minuten später klingelt das Handy, Eva ist dran, sie ist gerade nach Hause gekommen und hat meinen Hilferuf gehört. Ich freue mich! Ein Wort gibt das andere, ein netter Zeitvertreib, genau richtig für die verbliebenen Minuten an der Haltestelle.Da kommt der Bus.Handy am linken Ohr, Fahrschein in der rechten Hand steige ich in das lang herbeigesehnte ÖPNV-Gefährt. "Sie müssen das Handy ausschalten", herrscht mich der Busfahrer an. Der Motor verstummt. Der Busfahrer hat den Schlüssel abgezogen und sitzt trotzig neben seinem Platz auf dem ersten Fahrgastsitz. "Ich fahre erst mit dem Bus los, wenn Sie aufhören zu telefonieren", faucht er mir zu durch den gesamten Bus."Die Weiterfahrt verzögert sich um einige Minuten", säuselt eine freundliche Frauenstimme in meinem Kopf. "Wir bitten um Ihr Verständnis." Ich verstehe mittlerweile gar nichts mehr. Da warte ich 40 Minuten auf den Bus und dann so was! Warum darf ich im Bus denn nicht telefonieren? Und selbst wenn es einen triftigen Grund dafür gibt, warum muss er mir das in einem solchen Ton sagen? "Positiv denken", schießt es mir durch den Kopf. "Alles hat seine positive Seite, auch diese Situation." Eine Gruppe Jugendlicher stürzt auf den Bus zu. "Fahren sie zum ZOB?", fragen die vier den Busfahrer. "Unser Zug hatte Verspätung. Schön, dass Sie noch da sind." "Na also", denke ich mir und drücke auf den Auflegen-Knopf. Kleine Handy-Sünden belohnt der liebe Gott sofort - zumindest im öffentlichen Personen-Nahverkehr.