guten_morgen_mic_2106

Übernächste Woche ist es wieder so weit. Beziehungsweise nächste Woche. Vielleicht aber auch schon diese Woche. Morgen. Oder heute. Gleich nach dem Frühstück, auf dem Weg zur Arbeit. Sie werden sehen.

Die Welle beginnt. Die Müllwelle. Die mit den gelben Säcken. Erst ist es nur einer. Ein einsamer gelber Sack, den irgendein Nachbar frühmorgens vor die Haustür stellt. In geistiger Umnachtung vielleicht, aus Versehen oder womöglich auch aus böser Absicht. Obwohl überhaupt kein Abholtermin für gelbe Säcke ist. Nicht heute, nicht morgen, sondern: übernächste Woche. Was dann folgt, ist eine Kettenreaktion, so sicher wie das Amen in der Kirche: "Oho", denkt Nachbar Nummer Zwo, "ein gelber Sack. Dann kommt wohl bald die Müllabfuhr." Also schmeißt er eilends auch seine Säcke auf den Bürgersteig. Innerhalb eines halben Tages füllt sich so die erste Straße mit den mehr oder weniger hübsch bunten Unratsammelbehältnissen. Durchfahrenderweise werden diese von weiteren pflichtbewussten Mülltrennern gesehen. Die steigen noch am selben Abend in den Keller, werfen ihre Plastiksammlungen vor die Tür und setzen damit für ihre Straße die Kettenreaktion in Gang. Ratzfatz ist das ganze Stadtviertel oder das halbe Dorf mit gelben Säcken übersät. Weil irgendeiner nicht richtig auf den Kalender geguckt hat. Und weil wir alle Herdenviecher sind. Richtig schlimm wird's, wenn am gleichen Tag noch ein kaputter Schrank und ein Stuhl mit drei Beinen vor einer Haustür stehen. Dann ist bestimmt noch Sperrmüll. Heute. Oder morgen. Oder nächste Woche…