Guter Draht nach oben

TRIER-WEST. Pädagoge, Hausmeister, Koch – Bruder Günter Schulz hat viele Aufgaben. Seit fünf Jahren lebt er in der Gemeinschaft der Salesianer Don Boscos in der Gneisenaustraße in Trier-West. Dort begleitet und fördert er die Jugendlichen des Stadtteils mit Respekt und Wertschätzung auf dem Weg zum Erwachsenwerden.

Wahrscheinlich hatten sich seine Eltern einen anderen Lebensweg für ihn vorgestellt. Günter Schulz, der 1958 im Münsterland geboren wurde, stammt aus einem religiösen Elternhaus. Auch seine Geschwister sind Pastoralreferenten geworden. "Aber mich hat es noch tiefer erwischt", sagt der Salesianer-Bruder heute. Zunächst verlief sein Leben wie das vieler Jugendlicher. Er besuchte die Schule, machte eine Ausbildung zum Elektroinstallateur. Es folgten Akkordarbeit am Fließband und die Arbeitslosigkeit. "Fließbandarbeit ist das Letzte, was ich jemandem als Ausweg raten würde" ,sagt Günter Schulz. "Damals habe ich gemerkt, dass mein Leben so nicht laufen kann."Ausbildung zum Erzieher und zum Heilpädagogen

"Der Chef kriegt einen, wenn man am sensibelsten oder an einem Tiefpunkt ist. Ich wusste, dass mein Weg vorgeschrieben ist. Ich muss ihn nur finden und Gott, mein Chef, hilft mir dabei." Stark hat ihn seine Zeit als Messdiener und in der Christlichen Arbeitnehmer-Bewegung geprägt. Vom Plan, sich zum Weltpriester ausbilden zu lassen, hat er Abstand genommen. "Ich brauche die Gemeinschaft um mich", erklärt er. 1980 hatte er den ersten Kontakt zur Ordensgemeinschaft der Salesianer. Dort fand er seinen Wunsch, "etwas für Kinder" tun zu wollen, verwirklicht. Während seines Aufenthaltes in der Don-Bosco-Gemeinschaft in Berlin war er Praktikant, dann Aspirant, holte seine Mittlere Reife nach und machte das Fachabitur. In Jünkerath trat er 1985 sein Noviziat an. In dieser Zeit setzte er sich intensiv mit den Idealen Don Boscos auseinander. Priester wollte er werden, "merkte dann aber, dass Bruder zu sein mein Ding ist und ich so am Puls der Jugend sein kann". Im Lauf der Zeit hat er in verschiedenen Ordensniederlassungen gearbeitet, eine Ausbildung zum Erzieher und schließlich zum Heilpädagogen absolviert. Im Jahr 2000 ist er nach Trier gekommen. "Ich möchte den Jugendlichen den Rücken stärken, sie annehmen, auch mit ihren Schwächen, für sie da sein und ihnen etwas zutrauen", sagt der 47-jährige Ordensmann. Vor allem möchte er weitergeben, was er selbst erfahren hat - ein behütetes Elternhaus und während seiner Ordenszugehörigkeit viel Vertrauen und Zuspruch. Während viele Aktivitäten im Jugendwerk auf sportliche Betätigung wie Fußball ausgerichtet sind, arbeitet Bruder Schulz lieber im Kreativ-Bereich und am Computer. Nebenher erteilt er samstags morgens auch Nachhilfeunterricht. Mit seinen Angeboten kann er den jungen Menschen nicht nur Kreativität, die PC-Nutzung oder Schulwissen vermitteln, sondern auch Ausdauertraining und "Herzensbildung".Jedes Kind verdient Wertschätzung

"Es ist sehr wichtig, dass wir Pädagogen Fingerspitzengefühl beweisen. Ich versuche, den ganzen Menschen zu sehen, die Jugendlichen ernst zu nehmen, ehrlich und offen zu sein. Das ist eine Grundregung, die ich zu leben versuche. Es ist unser Bestreben, eine Atmosphäre zu schaffen, in der die Jugendlichen sich wohl fühlen." Natürlich gebe es auch schwierige Situationen, die ohne Sanktionen nicht zu lösen seien. "Aber ich achte die Privatsphäre jedes Kindes, achte jedes Kind als Mensch und bringe ihm die Wertschätzung entgegen, die es verdient." Um Zeit für sich zu haben, fährt der Salesianer in seinem Urlaub ans Meer, genießt den "Weitblick". Zu sich kommt er auch im Benediktinerkloster in seiner Heimat, das er in seinem Urlaub regelmäßig für eine Woche besucht, um "etwas für meine Beziehung zu meinem Chef zu tun. Da tanke ich sehr viel Kraft."

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