"Haben das Schlechteste draus gemacht"

"Haben das Schlechteste draus gemacht"

Fünf Jahre lang hat Stephanie Nabinger für die Grünen im Landtag gesessen. Nach dem Absturz ihrer Partei bei der Landtagswahl hat sie den erneuten Sprung ins Parlament nicht geschafft. Vom Kreisverband ist sie nun zur Sprecherin gewählt worden.

Trier. Einen weiteren Tisch heranschieben, dann noch einen - der Redebedarf ist groß bei der Mitgliederversammlung von Bündnis 90/Die Grünen im Kreis Trier-Saarburg. Am Ende kommen 22 der 66 Mitglieder im Bürgerhaus Trier-Nord zusammen - ein stattliches Ergebnis. Den meisten von ihnen stecken nicht nur der kalte Winter-Wahlkampf in den Knochen, sondern vor allem auch das schlechte Abschneiden ihrer Partei bei der Landtagswahl: 5,3 Prozent im Land (zum Vergleich: 2011 waren es nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima 15,4 Prozent gewesen), 5,1 im Kreisgebiet. Bevor der Absturz analysiert wird, geht der Blick aber zunächst in Richtung Zukunft: Nach der Entlastung des alten Vorstands wird ein neuer gewählt (siehe Extra). Stephanie Nabinger, die für die Grünen eine Legislaturperiode im Landtag gesessen hat, löst Heide von Schütz als Sprecherin ab - Letztere hatte nicht mehr kandidiert. Sascha Gottschalk, der bei der Bürgermeisterwahl in der Verbandsgemeinde Konz 32,5 Prozent gegen Amtsinhaber Karl-Heinz Frieden (CDU) errungen hatte ("ein würdevolles Ergebnis"), bleibt Sprecher.
Für den neuen Vorstand gibt's dann in jahreszeitlich bedingter Ermangelung von Sonnenblumen gelbe Gerbera. Damit ist es der netten Gesten und Geschenke aber erst einmal genug - die Wahlnachlese bringt vielmehr Enttäuschung und deutliche Worte. Nabinger und von Schütz etwa fordern den rheinland-pfälzischen Fraktionsvorsitzenden Daniel Köbler offen zum Rücktritt auf und wollen das auch beim Parteitag am Samstag in Kaiserslautern tun. Nabinger: "Die schlechten Ergebnisse hat er politisch zu verantworten." Viele Mitglieder hätten es dem 34-Jährigen übel genommen, dass er ein Positionspapier zum Thema Flüchtlingspolitik an die Presse ausgegeben hätte, ohne es der Partei vorher mitzuteilen. Nabinger: "Ich dachte, wir sind eine basisdemokratische Partei." Zudem sei das eine Abkehr von der grünen Asylpolitik gewesen. Sehr enttäuscht von der Parteispitze ist auch Sabina Quijano. "Wenn die Arbeit hier vor Ort nicht so viel Spaß machen würde, hätte ich mein Parteibuch schon abgegeben." Köbler und auch Wirtschaftsministerin Eveline Lemke hätten nicht gelernt, dass sie, "wo sie Macht haben, Macht auch teilen müssen". Deutlich wird auch Sven Dücker, der für die Grünen im Wahlkreis Trier/Schweich bei der Landtagswahl angetreten war: "Wir hatten eine gute Ausgangslage und haben das Schlechteste draus gemacht."
Das vorrangige Ziel muss laut den Kreis-Grünen mit Blick auf die Bundestagswahl 2017 nun sein: personelle Konsequenzen ziehen, sich neu aufstellen, den Frieden innerhalb der Partei wiederherstellen und auf die grünen Kernthemen konzentrieren. bec
Extra

Die Mitglieder der Grünen im Kreis Trier-Saarburg haben einen neuen Vorstand für die kommenden zwei Jahre gewählt. Sascha Gottschalk bleibt Sprecher, neue Sprecherin ist Stephanie Nabinger. Zur Schatzmeisterin wurde die bisherige Sprecherin Heide von Schütz gekürt. Die Beisitzer Paul Port, Peter Schirwek, Wolfgang Hertel und Katja Weinert komplettieren den Vorstand. bec

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