Hadern mit der großen Vielfalt

Hadern mit der großen Vielfalt

TRIER. Fernsehen – das bedeutete viele Jahre lang: erstes, zweites oder drittes Programm. Seit einigen Monaten hat die Triererin Britt (Name geändert) die Qual der Wahl. Zum ersten Mal kann sie sich zwischen Dutzenden Sendern entscheiden. Was bedeutet das für ihre Familie?

Fast jeder Deutsche hat es heutzutage: das Kabel- oder Satellitenfernsehen, von Arte bis Phoenix, von Super RTL bis QVC. Die Auswahl zwischen dem Cary-Grant-Spielfilm im Ersten und der Show "Am laufenden Band" im Zweiten - lang, lang ist's her! Britt aus Trier-Süd allerdings steht die mediale Vielfalt erst seit wenigen Monaten zur Verfügung. Sie ist fasziniert. "Ich weiß noch, es war ein Sonntagmittag", erzählt die 32-Jährige lachend. Sie stieß auf eine Dokumentation über einen Schamanen und war von der außergewöhnlichen Reportage begeistert. Früher habe sie seltener die Gelegenheit gehabt, Dokumentationen zu sehen, stellt sie fest. Notgedrungen sei sie oft bei Nachrichten und Krimi gelandet. "Der ,Tatort' hat ja irgendwie Kultstatus, aber ich sehe mir nicht gerne Leichen an." Dank der neuen Vielfalt kann sie nun häufig politische Berichte sehen, etwa über das Thema "Nahostkonflikt". Nachrichten schaut sie sich nun manchmal in Gebärdensprache an: "Ich gucke das gern, ich bin fasziniert von dem schnellen Ablauf", sagt sie lachend. Ursprünglich war Britt gegen den neuen Anschluss und hatte Bedenken: "Ich bin Suchtkandidatin, ich weiß, dass es mir schwer fällt, die Glotze auszumachen." Doch der ausziehende Nachbar hatte seinen Receiver für die Satellitenschüssel zurück gelassen, und Britts Partner nutzte die Chance: "Ihm ging's vor allem um Sport, er guckt zum Beispiel gern Tennis und Fußball." Seitdem verbrachten die beiden so manchen Abend vor dem Bildschirm - etwa bei einem Bericht über Dart. "Am Anfang war das neu und faszinierend", erzählt Britt. Doch das hielt nicht lange an: "Nach einer halben Stunde bin ich eingeschlafen." Britts Bedenken gegen das Satellitenfernsehen schienen sich zu bestätigen: Sie fand sich beim Rauf- und Runterzappen wieder - vor allem, wenn Filme durch Werbung unterbrochen wurden. Im Nachherein ärgerte sie sich oft über den vergeudeten Abend. Die Schwierigkeiten mit ihrer zehnjährigen Tochter Sina (10) waren allerdings geringer als erwartet: "Es klappt ganz gut; unter der Woche guckt sie nur, wenn es mal regnet oder es uns beiden sehr langweilig ist. Am Samstag und Sonntag guckt sie nach wie vor eine halbe Stunde." Kindersendungen etwa bei "Super-RTL" seien in Sinas Klasse kein Thema. Nach den ersten Monaten Satellitenfernsehen lautet Britts Fazit: Zwei oder drei Sender genügen, wenn es die richtigen sind. Sie schaut nun andere Kanäle als früher: "Vor allem sehe ich Arte und 3Sat." Ihr Alltag habe sich kaum verändert, sie lese noch genauso viel wie früher und gehe nach wie vor gelegentlich aus. Dennoch überlegt Britt, sich für zwei, drei Wochen ganz vom Fernseher zu trennen: "Die Kiste kann ruhig mal raus, das meinte auch meine Tochter. Ich finde, man sollte auch mal ohne Fernsehen auskommen!" Das erste Mal: Neue Erfahrungen zu machen, bedeutet Aufregung und Abenteuer, Spannung und Emotion. Der TV stellt in einer Serie Menschen vor, die sich auf unbekanntes Terrain gewagt haben und erzählt, wie es ihnen dabei erging.