Hängepartie bis zur letzten Sekunde

Die Entscheidung über die Gesamtschule auf dem Wolfsberg wird zur Hängepartie. Der Stadtrat muss in seiner heutigen Sitzung einen entsprechenden Antrag an das Land beschließen, wenn entsprechende Fristen nicht versäumt werden sollen, aber wichtige Fragen sind völlig ungeklärt.

Trier. Die Kontroverse spitzt sich auf die Frage der Integration der Grundschule Mariahof zu. Einen entsprechenden Beschluss hatte der Runde Tisch gefasst, doch der Stadtvorstand hat eine bereits fertige Vorlage kurzfristig zurückgezogen, nachdem sich politischer Ärger abzeichnete.

Bei vielen Akteuren des Runden Tisches herrscht Verwunderung. Die Verwaltung selbst habe den Vorschlag der Einbindung der Grundschule am Runden Tisch eingebracht, sagte ein Teilnehmer der entscheidenden Sitzung gegenüber dem TV. Und die daraus entstandene Ratsvorlage sei von Schuldezernent Holkenbrink selbst vorgelegt worden.

Ob es dafür überhaupt eine politische Mehrheit gibt, hatte offenbar niemand vorgefühlt. Prompt stellte die CDU-Stadtratsfraktion mit einer klaren Absage an die Verlegungspläne ihren Dezernenten in den Regen.

Unterdessen hat sich der Leiter der Ludwig-Simon-Realschule und Mit-Autor des IGS-Konzeptes, Josef Linden, mit einem leidenschaftlichen Appell für eine große Gesamtschul-Lösung an die Öffentlichkeit gewandt.

Für das geplante "neue Haus des Lebens und des Lernens" sei es "von fundamentaler Bedeutung", dass ein Angebot von der ersten bis zur dreizehnten Klasse geschaffen werde. Die Bildung, die in der IGS Trier vermittelt werden solle, "beginnt nicht erst ab Klasse Fünf, sondern schon davor". Das sei nur möglich, wenn an Grundschule und IGS "am gleichen Standort in unmittelbarer Nähe gemeinsames Lernen gelebt werden kann". Es müsse "zusammengeführt werden, was zusammengehört", in einer neuen integrativen Struktur, "verbunden mit einer neuen Unterrichtskultur und damit einer ganz anderen Qualität".

Linden verweist auch auf die sinnvolle enge Zusammenarbeit von Grundschul- und IGS-Lehrern mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen. Gerade die Gemeinsamkeit verbessere die Möglichkeiten der Integration, "damit künftig Chancen nicht mehr nach sozialer Herkunft verteilt werden". Die Stadt ist nun in einer schwierigen Situation. Die Frist für einen IGS-Antrag läuft Ende März aus, und falls es in der heutigen Stadtratssitzung keine Entscheidung gibt, ist der Start zum Sommer 2010 hinfällig. Andererseits gehört das inhaltliche Konzept, das von den Wolfsberg-Schulen vorgelegt und vom Runden Tisch unterstützt worden ist, als elementare Geschäftsgrundlage für die Genehmigung zum Antrag dazu. Widerspricht sich beides, könnte das Land ablehnen - und Trier wäre blamiert.

Hinter den Kulissen sucht man zurzeit händeringend nach einem Beschluss, der es ermöglicht, die Frist einzuhalten und die Frage der Grundschul-Integration bis nach der Wahl des neuen Stadtrats offen zu halten.

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