Hängepartie der FDP - Gilles wartet ab

Hängepartie der FDP - Gilles wartet ab

Karl-Josef Gilles bleibt Mitglied der FDP-Fraktion im Trierer Stadtrat, lässt allerdings seine Mitgliedschaft in der Partei bis auf weiteres ruhen. Offen ist, wer den Fraktionsvorsitz übernehmen würde, falls Chef Thomas Egger künftig in den Stadtvorstand wechseln würde.

Trier. (cus) Beim FDP-Parteitag vor einem Monat kassierte Karl-Josef Gilles eine überraschende Schlappe. Der 59-Jährige stellte sich der Wiederwahl zum stellvertretenden Kreisvorsitzenden, erreichte jedoch ohne Gegenkandidat nur ein Stimmen-Patt von 16:16. Aus Enttäuschung über dieses Ergebnis behielt sich der erneut in den Stadtrat gewählte Gilles vor, künftig eventuell als Fraktionsloser sein Mandat auszuüben (der TV berichtete).

Inzwischen ist klar: Gilles bleibt in der vierköpfigen liberalen Fraktion, lässt aber seine Parteimitgliedschaft ruhen. "Ich werde die Entwicklung weiter beobachten", kündigte Gilles im Gespräch mit dem TV an. Sein Austritt aus der Fraktion hätte auch bedeutet, dass der FDP entsprechend weniger Ausschussmitglieder und finanzielle Mittel zugestanden hätten.

Innerhalb der Fraktion strebe Gilles auch bei veränderten Rahmenbedingungen kein weiteres Amt an, insbesondere nicht das des Fraktionsvorsitzenden, heißt es in einer Mitteilung von Kreispartei- und Fraktionschef Thomas Egger. Ausschließen will Gilles diese Funktion jedoch nicht.

Hintergrund ist die mögliche Konstellation mit Egger an der Spitze eines Wirtschaftsdezernats. Dem 39-jährigen Juristen werden entsprechende Ambitionen nachgesagt. Nachrücker in den Rat wäre Felix Brand. Der 43-jährige Polizist bekam bei der Wahl die fünftmeisten Stimmen der FDP-Kandidaten (6056). Für den Fraktionsvorsitz kämen außerdem Silke Reinert und Monika Indig infrage.

Meinung

Liberale Lückenspiele

Was wäre, wenn? Diese Frage mussten und müssen sich die Trierer Liberalen in verschiedenen Varianten stellen. Ein Austritt von Karl-Josef Gilles aus Fraktion und Partei hätte eine Lücke gerissen und zudem das angestrebte Ampel-Bündnis mit SPD und Grünen massiv gefährdet. Auch nach dem Burgfrieden bleiben die Personalfragen auf der Agenda. Dass Oberbürgermeister Klaus Jensen das Wirtschaftsressort abgeben will, spielt der FDP in die Hände. Da Thomas Egger als Favorit für den Posten des Dezernenten gilt, bräuchte die Fraktion dann einen neuen Chef. Soll Gilles als erfahrener Kommunalpolitiker für diese Rolle motiviert werden, was nahe liegt, dann müsste ihn die Partei zuvor klar und deutlich rehabilitieren. m.hormes@volksfreund.de

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