1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Handys, deren Besitzer es nicht gibt

Handys, deren Besitzer es nicht gibt

Die rätselhaften Umstände des Raubüberfalls im Februar 2015 auf einen 83-Jährigen in Trier-Mariahof beschäftigen weiter das Landgericht. Bei der Fortsetzung der Verhandlung spielten Decknamen von Menschen eine Rolle, deren wahre Identitäten im Dunkeln liegen.

Trier. Mit wem und worüber telefonierte "Professor Mebok" aus Bernkastel-Kues im Februar 2015, am Tag vor und am Tag nach dem brutalen Raubüberfall auf einen Mariahofer Rentner? Und was besprach einer der ursprünglich Verdächtigen in dieser Sache per Handy mit "Olivia Wagner" aus Konz?
Mit diesen Fragen beschäftigte sich das Trierer Landgericht am Dienstag. Die Klärung fällt nicht leicht: Denn weder Professor Mebok noch Olivia Wagner existieren in der realen Welt. Irgendjemand hat sich die Namen ausgedacht, um Sim-Karten verschiedener Mobiltelefone auf sie anzumelden.
Die Handys, beziehungsweise die Einwahlkarten, hatte die Polizei bei Durchsuchungen im ursprünglichen Verdächtigenkreis gefunden. Andere Mobiltelefone hatte die Polizei bei ihren Ermittlungen abgehört. "Sie sollen zu Ihrer Freundin gesagt haben, dass man über solche Dinge am Handy nicht redet, weil Telefone abgehört werden können", hielt Richter Armin Hardt einer der Zeuginnen vor. "Stimmt ja auch", antwortet diese. Über eine Straftat sei allerdings auch bei einem späteren persönlichen Treffen nicht gesprochen worden.
Prügelei wird erwähnt


Die Beweislage ist schwierig. Ja, der Angeklagte habe ihm bei einem Gespräch gesagt, er sei in eine "Prügelei" geraten, bestätigte einer der Zeugen am gestrigen zweiten Verhandlungstag des Revisionsprozesses. Einen Überfall, ein Datum oder dass das Opfer ein 83-jähriger Mann gewesen ist, habe der Angeklagte allerdings nicht erwähnt. Ob mit der Prügelei der Raubüberfall gemeint gewesen sein könnte, bleibt daher im Dunklen.
Auch die Aussagen anderer Zeugen - etwa, dass man dem Angeklagten gleich beim ersten Treffen angesehen habe, kein guter Mensch zu sein, oder dass er sich bei seiner Festnahme seinem Kind gegenüber emotional kalt verhalten hätte - werfen zwar ein schlechtes Licht auf den 34-Jährigen. Beweise für das Verbrechen, das die Staatsanwaltschaft ihm vorwirft, sind das allerdings nicht.
Drei ursprünglich geladene Zeugen konnte das Gericht gestern noch nicht verhören: Zwei Männer aus dem ursprünglichen Verdächtigenkreis wollen nur mit Rechtsanwalt erscheinen, konnten entsprechende Termine aber nicht so kurzfristig organisieren. Ein Dritter hatte sich wegen einer Magen-Darm-Grippe abgemeldet.
Der Prozess wird am heutigen Mittwoch fortgesetzt.